In der Fertigungshalle im Büscher Betonwerk © Münsterland e.V. / Philipp Fölting

Kreislaufwirtschafts-Pionier

Unternehmensgruppe Büscher

Mehr als die Hälfte des Abfalls in Deutschland besteht aus Bau- und Abbruchmaterialien, deren Entsorgung zunehmend zur Herausforderung wird. Während das gemahlene Material oft im Straßenbau verwendet wird, übersteigt das Angebot mittlerweile die Nachfrage. Gleichzeitig belastet die Gewinnung neuer Baustoffe wie Kies und Sand die Umwelt erheblich.

Die Brüder Hans-Jürgen und Wolfgang Büscher vom Betonwerk Büscher suchten nach einer nachhaltigen Lösung: Nach fünf Jahren intensiver Forschung entwickelten sie ein Verfahren, um Betonfertigteile mit einem Recycling-Anteil von 75 Prozent herzustellen. Dabei wird das Altmaterial so aufbereitet, dass es Kies und Sand vollständig ersetzt – ein Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen und ein Beispiel für erfolgreiches Upcycling.

Im persönlichen Gespräch berichtet das Unternehmen, warum Kreislaufwirtschaft für sie nicht nur eine Vision, sondern gelebte Realität ist.

Welche Bedeutung hat die Kreislaufwirtschaft für das Münsterland, und wie weit ist eurer Meinung nach die Region in der Umsetzung nachhaltiger Wirtschaftsmodelle?

Die Kreislaufwirtschaft bietet für das Münsterland große Chancen, sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Sie reduziert Abfall, schafft neue Geschäftsfelder und stärkt die regionale Positionierung im Bereich ressourcenschonenden Wirtschaftens. Während größere Unternehmen in der Umsetzung oft weiter sind, zeichnet sich auch bei kleinen und mittelständischen Unternehmen ein Umdenken ab. Allerdings stoßen diese häufig an ihre Grenzen, sei es durch fehlende personelle Ressourcen für komplexe Zertifizierungsverfahren oder eine noch verhaltene Nachfrage nach nach zirkulären Produkten. Hier könnten gezielte Fördermaßnahmen der Politik helfen, um nachhaltige Wirtschaftsmodelle voranzutreiben.

Warum hat sich euer Unternehmen dazu entschieden, den Weg der Kreislaufwirtschaft einzuschlagen, und welche Bedeutung hat dieses Modell für euch?

Unser Unternehmen hat sich bewusst für die Kreislaufwirtschaft entschieden, um Ressourcen zu schonen und Abfälle sinnvoll wiederzuverwenden. Durch das Recycling von Bauschutt verringern wir den Bedarf an primären Baustoffen und leisten einen konkreten Beitrag zu ressourcenschonenden Bauverfahren.

Was ist bei euch jetzt schon im Kreislauf und gibt es besondere Herausforderungen, die ihr bei der Umsetzung dieser Kreislaufwirtschaftsprozesse meistern musstet?

Wir bereiten Abbruchmaterial und Bauschutt auf und führen diese als Baustoff wieder in den Kreislauf zurück. Dadurch entsteht ein geschlossener Materialkreislauf, der den Verbrauch primärer Rohstoffe erheblich reduziert.

Eine der größten Herausforderungen ist die Qualitätssicherung, da Bauschutt in seiner Zusammensetzung stark variieren kann. Zudem müssen wir bei der Verwendung recycelter Baustoffe strenge baurechtliche Vorgaben einhalten, was zusätzliche Prüf- und Genehmigungsprozesse erfordert.

Woran wollt ihr noch arbeiten?

Wir möchten die Einsatzmöglichkeiten unserer recycelten Baustoffe weiter ausbauen und durch Forschung neue Produkte entwickeln, um das Potenzial der Kreislaufwirtschaft noch besser auszuschöpfen.

Wie regelt ihr aktiv die Rücknahme von regionalem Material? Bzw. wie bemüht ihr euch aktiv um regionales Material für eure Produktion?

Wir setzen gezielt auf Maßnahmen wie Werbekampagnen, Außendienstaktivitäten und Messeveranstaltungen, um Unternehmen und Privatpersonen auf die Möglichkeiten der Wiederverwertung aufmerksam zu machen und aktiv Material für unsere Produktion zu gewinnen.

Wie hat sich die Einführung dieser Prozesse auf euer Geschäft ausgewirkt, welche wirtschaftlichen Vorteile hat es gebracht und warum wollt ihr diesen Weg konsequent weitergehen?

Zum einen haben wir den Deponierungsproblemen auf unserem Wertstoffhof entgegenwirken können, zum anderen haben wir durch die hochwertige Aufbereitung des gemischten Abbruchmaterials einen neuen Wertstoff entwickelt, der als Ersatz von primären Rohstoffen dient. Auf der anderen Seite im Betonwerk haben wir enorme Einsparungen primärer Rohstoffe und gleichzeitig ein neues und zirkuläres Endprodukt „Büscher R-Beton“ welches mittlerweile bereits 11 Prozent der Unternehmensumsätze (Betonwerk) ausmachen.

Unser Ziel ist es, ressourcenschonende Bauweisen zu etablieren. Mit „EcoBau“ haben wir dazu einen Geschäftsbereich gegründet, der auf zirkuläres und ressourceneffizientes Bauen spezialisiert ist.

Ihr Beispiel zeigt, dass Ihre Branche großes Potenzial für die Kreislaufwirtschaft hat. Was raten Sie anderen Unternehmen und welche Maßnahmen und Unterstützungen wären besonders wertvoll auf dem Weg, mit Herausforderungen umzugehen?

Unternehmen sollten jetzt am Puls der Zeit sein und zu reagieren, bevor Ressourcenknappheiten entstehen und das Problem akut wird. In drei Stichpunkten:

  1. Jetzt starten, bevor sich Marktbedingungen verschärfen.
  2. Partnerschaften mit anderen Akteuren eingehen, um Synergien zu nutzen.
  3. Nachhaltigkeit als festen Bestandteil der Unternehmensstrategie verankern.

Politische Unterstützung in Form von Förderprogrammen, steuerlichen Anreizen und Schattenpreismodellen wäre essenziell, um nachhaltige Geschäftsmodelle wirtschaftlich attraktiver zu machen.

Inwiefern ist für euer Unternehmen wichtig, mit anderen lokalen Akteuren zu kooperieren, um Kreislaufwirtschaft effektiv regional umzusetzen und wie seht ihr die Zukunft der Kreislaufwirtschaft im Münsterland?

Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit ist nicht nur für uns, sondern für ALLE ein großes Thema und es sollte ein Anliegen eines Jeden sein, die Umwelt für unsere Enkelkinder zu erhalten.
Das Münsterland hat großes Potenzial, eine Vorreiterregion in der Kreislaufwirtschaft zu werden. Mit der richtigen Unterstützung und dem zunehmenden Bewusstsein für nachhaltige Lösungen kann sich die Region weiterentwickeln und innovative Kreislaufmodelle erfolgreich umsetzen.

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Foto 1 zu Unternehmensgruppe Büscher

Das Projekt "Kreislaufwirtschaft Münsterland" wird mit Mitteln der Europäischen Union und vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.