W. Gröning GmbH & Co. KG © W. Gröning GmbH & Co. KG

Kreislaufwirtschafts-Pionier

W. Gröning GmbH & Co. KG

Logo W. Gröning © W. Gröning GmbH & Co. KG

Die W. Gröning GmbH & Co. KG mit Sitz in Rheine-Mesum setzt in der Kunststoffverarbeitung auf Recycling und Kreislaufwirtschaft. In einer firmeneigenen Recyclinganlage werden Produktionsabfälle zu hochwertigem Granulat aufbereitet und vollständig in den Produktionskreislauf zurückgeführt – jährlich rund 2.000 Tonnen. Mit der Wiederverwertung von Lösemitteln, dem Einsatz erneuerbarer Energien, Elektrostaplern ohne direkte Abgasemissionen im Fahrbetrieb und Wärmerückgewinnung zeigt das Unternehmen, wie Materialwiederverwendung und Energierückgewinnung in die industrielle Produktion integriert werden können. Wir haben uns mit Matthias Becker-Gröning getroffen und ihm ein paar Fragen gestellt! Warum Kreislaufwirtschaft in seinem Unternehmen eine große Rolle spielt und was er anderen empfielt, liest du hier:

Welche Bedeutung hat die Kreislaufwirtschaft für das Münsterland, und wie weit ist eurer Meinung nach die Region in der Umsetzung nachhaltiger Wirtschaftsmodelle?

Die Kreislaufwirtschaft hat für das Münsterland eine enorme Bedeutung, sowohl ökologisch als auch ökonomisch. Die Region ist stark vom Mittelstand geprägt, und viele Unternehmen sind eng mit ihrer Heimat verbunden und übernehmen Verantwortung. Das schafft eine gute Basis für regionale Wertschöpfungsketten und nachhaltiges Wirtschaften. Es gibt aber noch viel zu tun und es benötigt Leuchtturmprojekte, mehr Kooperation und gezielte Förderung.

Warum hat sich das Unternehmen dazu entschieden, den Weg der Kreislaufwirtschaft einzuschlagen und welche Bedeutung hat dieses Modell für dich?

Für uns ist Kreislaufwirtschaft ein logischer Schritt: Ressourcen werden knapper, und Nachhaltigkeit wird zur Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Wir gestalten Produkte mit unseren Kunden so, dass sie technisch den Anforderungen entsprechen und recycelbar sind – damit leisten wir einen aktiven Beitrag zur Ressourcenschonung und zum Umweltschutz.

Was ist bei euch jetzt schon im Kreislauf und woran wollt ihr noch arbeiten?

Wir setzen auf Verpackungen aus recyclingfähigem Polyethylen und bieten unseren Kunden Möglichkeiten einer Rücknahme Ihrer Abfallströme an. Aktiv recyceln wir bereits heute anfallende Produktionsabfälle und führen das aufbereitete Material zurück in den Fertigungsprozess.

Mit unseren Lieferanten, Partnern und Kunden die Rohstoffströme werden wir weiter diskutieren und die Produktgestaltung noch stärker auf Kreislauffähigkeit ausrichten. Dabei steht auch der Ausbau der regionalen Beschaffung im Fokus, um lokale Materialkreisläufe zu identifizieren und zu fördern. Im Zuge dieser Maßnahmen bereiten wir uns zudem aktiv auf die Anforderungen der geplanten Europäischen Verpackungsverordnung (PPWR) vor, um rechtzeitig die notwendigen Schritte für eine zukunftsfähige, ressourcenschonende Verpackungsgestaltung umzusetzen.

Gibt es besondere Herausforderungen, die ihr bei der Umsetzung dieser Kreislaufwirtschaftsprozesse meistern mussten?

Ja, es gibt natürlich Herausforderungen: Der Aufbau einer Intralogistik für zusätzliche Material- und Rohstoffströme erhöht die Komplexität bei der Fertigung, Fehler müssen vermieden werden. Dafür braucht es Schulungen, Investitionen und einen klaren Fahrplan, um Schritt für Schritt Struktur und Stabilität in die Abläufe zu bringen.

Wie regeln Sie aktiv die Rücknahme von regionalem Material?

Wir arbeiten mit lokalen Partnern zusammen wie z. B. der Kreislaufwirtschaft Münsterland und regionalen Netzwerkpartnern aus der Fokusgruppe „Kunststoff“ zusammen, um gezielt Materialien aus der Region zurückzugewinnen. Hier gibt es spannende Ideen und Ansätze, die sich aktuell in der Sondierung befinden.

Welche wirtschaftlichen Vorteile hat es gebracht und warum wollt ihr diesen Weg konsequent weitergehen?

Durch die Einführung von Recyclingprozessen haben wir viel gelernt und bestehende Abläufe kritisch hinterfragt. Das hat uns nicht nur geholfen, unsere Produktinnovationen weiterzuentwickeln, sondern auch neue Ansätze und Impulse geliefert, um bestehende Produkte bei gleichbleibenden technischen Anforderungen für den Einsatz von Rezyklaten anzupassen.
Wirtschaftlich gesehen müssen sich die Vorteile zum Teil noch durch Lernkurven bestätigen. Neue Materialströme aus mechanischem Recycling (Rezyklate) bringen zum Teil höheren Verarbeitungsaufwand mit sich und führen in einigen Bereichen noch zu Mehrkosten.

Wir sind aber davon überzeugt, dass die Wiederverwertung von Materialien zur Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft beiträgt. Wir möchten Vorbild sein und zeigen, dass unternehmerischer Erfolg und Verantwortung kein Widerspruch sind. Unsere Vision ist eine vollständig zirkuläre Wertschöpfungskette – regional, fair und effizient.

Warum macht ihr beim Projekt „Kreislaufwirtschaftsregion Münsterland“ mit und warum sollten dies auch andere tun?

Als Familienunternehmen in fünfter Generation sind wir eng mit der Region verbunden. Wir haben viel vom Münsterland profitiert und sehen uns in der Verantwortung, etwas zurückzugeben. Die Idee einer Kreislaufwirtschaftsregion Münsterland ist für uns deshalb besonders spannend, weil sie Unternehmen, Kommunen und Forschung zusammenbringt. Allein geht es langsam, gemeinsam kommen wir schneller voran. Genau das wollen wir mit unserem Engagement zeigen.

Insgesamt kann das Münsterland zur Modellregion werden – mit kurzen Wegen, starker Innovationskraft und engagierten Unternehmen. Wenn wir die Weichen jetzt richtig stellen, können wir Vorbild für andere Regionen werden.

Was würdet ihr anderen empfehlen und was braucht es noch, um die Kreislaufwirtschaft attraktiver zu machen?

Insgesamt wäre es wichtig Anreize zu schaffen und Kommunikationsmöglickeiten wie Netzwerkplattformen aufzubauen, um Wissen zu teilen. Auch gesetzliche Anreize, die Kreislaufprozesse wirtschaftlich attraktiver machen, wären hilfreich – etwa durch Steuererleichterungen für zirkuläre Produkte.

Unser Hauptrohstoff Polyethylen ist bei fachgerechter Sortierung und Erfassung technisch zu 100 Prozent recycelbar. Ich empfehle einfach anfangen und machen. Es braucht kein perfektes Konzept - wichtig ist, den ersten Schritt zu gehen und neugierig zu sein. Unser Leitspruch für die Transformation heißt „Let´s make an impact together“, übersetzt heißt das soviel wie „Gemeinsam etwas bewegen“, allein ist es kaum machbar. Deshalb sind unsere drei Ratschläge: machen, machen, machen.

Das könnte dir auch gefallen ...


Foto 1 zu W. Gröning GmbH & Co. KG

Das Projekt "Kreislaufwirtschaft Münsterland" wird mit Mitteln der Europäischen Union und vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.