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Der Weiße Ritter von Gemen

Die Story

Die Burg Gemen in Borken blickt auf eine mehr als 900-jährige Geschichte zurück. Mit ihren Mauern und Türmen verbinden sich auch verschiedene Erzählungen und Überlieferungen. Eine davon handelt vom Weißen Ritter von Gemen.

Der Sage nach soll einst ein Graf die Burg vor einer feindlichen Übernahme bewahrt haben. Auf einem Schimmel sei er um die Burg galoppiert und habe über ihren Schutz gewacht.

Eines Tages soll der Graf einem Verbündeten zu Hilfe geeilt und dabei ums Leben gekommen sein. Der Überlieferung zufolge kehrt der Graf seit seinem Tod als geisterhafter Reiter nach Gemen zurück.
Bei Nacht und Nebel soll er auf seinem Schimmel rund um die Burg erscheinen und sie zur Mitternachtsstunde umkreisen. Dabei gilt der Weiße Ritter nicht als bedrohliche Gestalt, sondern als Beschützer der Burg, der Unheil von ihr fernhalten soll.

In der Sage wird das lange Bestehen der Burg mit dem nächtlichen Wächter in Verbindung gebracht. So lebt der einstige Beschützer Gemens in der Überlieferung als Weißer Ritter weiter – und hält auch nach seinem Tod noch Wache über die Burg.

Ein Wächter über den Tod hinaus

Das Motiv des Schimmelreiters bezeichnet in der Sagenüberlieferung einen geheimnisvollen oder gespenstischen Reiter auf einem weißen Pferd. Damit lässt sich die Gemener Überlieferung in den größeren europäischen Sagenkomplex der Geisterreiter und Wiedergänger einordnen.

Solche Gestalten erscheinen häufig nachts und sind an bestimmte Orte gebunden. Je nach Überlieferung können sie vor Gefahren warnen, Unheil ankündigen oder als ruhelose Tote immer wieder an einen Ort zurückkehren. Der Gemener Schimmelreiter nimmt dabei eine vergleichsweise positive Rolle ein: Er bedroht die Burg nicht, sondern soll sie auch nach seinem Tod weiterhin beschützen.

Das Motiv des geisterhaften Reiters begegnet in zahlreichen regionalen Varianten. Überschneidungen bestehen unter anderem mit Erzählungen von wilden Jägern, nächtlichen Reitern und ruhelosen Verstorbenen. Eine direkte Verbindung dieser unterschiedlichen Sagenmotive lässt sich jedoch nicht in jedem Einzelfall nachweisen.

Wusstest du eigentlich...

..., dass die Geschichte vermutlich auf einen historisch nachweisbaren Grafen zurückgeht? Graf Hermann Otto II. von Limburg-Styrum wurde 1675 mit der Herrschaft Gemen belehnt. Mut und Tapferkeit sowie Treue und Barmherzigkeit zeichneten sein Handeln aus. Er war ein hochrangiger kaiserlicher Offizier, der aus diversen Schlachten ruhmreich hervorging. Sein spektakulärer Distanzritt von 1678 fand in Wien statt. Hier ritt er die 42 Kilometer zwischen Wiener Neustadt und Wien trotz stürmischen Wetters in ungefähr einer Stunde und 45 Minuten. Dafür gewann er 1.000 Dukaten. Ein Kaminsims im Schlossinneren erinnert noch heute an den ruhmreichen Schlossherrn.

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