Die Weiße Dame vom Schloss Harkotten
Eine Geschichte mit vielen Facetten
Im nordöstlichen Kreis Warendorf, nahe der Grenze zu Niedersachsen, liegen in Sassenberg-Füchtorf die Schlösser Harkotten – eine auch über das Münsterland hinaus seltene Doppelschlossanlage. Nicht lange nachdem ein Teil der Familie in das neu gebaute Barockschloss Harkotten gezogen war, begannen dort seltsame Erscheinungen das sonst so ruhige Harkottener Leben zu stören: Es entstand die Sage der Weißen Dame: Alle zwölf Jahre soll sich die geheimnisvolle Gestalt um Mitternacht aus der nebelverhangenen Gräfte erheben und über die Wiesen zum Schloss gleiten. Dort versuche sie, ins Innere des Schlosses vorzudringen. Mehrere Male sei ihr dies auch durch die oberen Fenster des Gebäudes gelungen. Aus Angst vor der Erscheinung seien daraufhin einige Fenster zugemauert und zur Wahrung der Fassadensymmetrie aufgemalt worden.
Je nach Quelle wird die Geschichte anders erzählt: Ob eine adeleige Dame, eine verurteile Frau oder ein anderes Unrecht den Ursprung der Erzählung bildet, kann heute nicht mehr eindeutig gesagt werden.
Doch die Weiße Dame vom Schloss Harkotten gehört zu den bekanntesten Spukgestalten des Münsterlands.
Weiße Damen, eingemauerte Nebelfrauen und eine als Hexe verurteilte Frau
Das seit der Frühen Neuzeit europaweit verbreitete Motiv der „Weißen Frau“ bezeichnet häufig den Geist einer verstorbenen Adeligen, der Unglück ankündigt oder an ein ungesühntes Verbrechen erinnert. Die mittelalterliche Wasserburg Harkotten mit ihren Türmen, Gräften und zwei Adelssitzen bot einen typischen Schauplatz für eine solche Geistersage. Das zugehörige Frauenbildnis stammt vermutlich aus dem 18. Jahrhundert; ein historisch belegbarer Zusammenhang mit einer Bewohnerin oder einem Todesfall besteht jedoch nicht.
Folgende Punkte zahlen in die Sage ein: Die Bezeichnung „Breen Tühne“: So soll eine als Hexe verurteilte Frau genannt worden sein. Nahe an der Schlossanlage befand sich eine Femlinde an der Gericht gehalten wurde. Die verurteilte Hexe soll zur Strafe in einem Turm eingemauert worden sein.
Ein doppelgesichtiges Porträt: Es existiert ein Porträt (s.u.) mit geisterhaftem Ruf. Bis heute wurde das Portät nicht eindeutig zugeordnet.
Wusstest du eigentlich...
..., dass diese Sage die einzige Sage um eine Weiße Dame ist, die mit einem spektakulären Porträt zusammenhängt? Zu der Geschichte gehört ein ungewöhnliches Frauenbildnis, das einst im Treppenhaus des Ketteler’schen Schlosses gehangen haben soll. Bei gewöhnlichem Licht zeigte es eine freundliche, junge Frau mit Federhut, im Gegenlicht soll sich das Gesicht hingegen in eine unheimliche Fratze verwandelt haben. Der Überlieferung zufolge habe sich auch die Weiße Dame abhängig vom Wesen des Betrachters entweder als schöne Frau im hellen Gewand oder als entstellte Gestalt präsentiert. Das Porträt existiert heute noch. Es liegt unter Verschluss in einem privaten Archiv.







