Die Krikedilie von Haus Assen
Die Story

Das Wasserschloss Haus Assen in Lippetal blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück. Hinter den Mauern des prächtigen Schloss im Stil der Lipperenaissance soll einst eine wohlhabende Gräfin gelebt haben, die der Volksmund „Krikedilie“ nannte.
Trotz des großen Reichtums galt die Schlossherrin als ausgesprochen geizig. Selbst Bedienstete erhielten nur kargen Lohn oder schliefen in feuchten Räumen. Stoffe für die Aussteuer der Dienstmädchen wurden mit einer zu kurzen Elle abgemessen, sodass nur schmale Laken entstanden.
Mit ihrem Tod wurde die Krikedilie verflucht: Bei Vollmond soll der Geist als weiße Gestalt durch den nebelverhangenen Roxloh, ein angrenzendes Waldgebiet wandern. Jede Vollmondnacht bringt die Erscheinung einen Hahnenschritt näher an Haus Assen. Sobald das Schloss erreicht ist, soll das Gebäude einstürzen – und die ruhelose Seele endlich Erlösung finden.
Zwischen Spuksage und moralischer Warnung
Die Erzählung verbindet das verbreitete Motiv der „Weißen Frau“ mit einer moralischen Botschaft: Geiz, Machtmissbrauch und die ungerechte Behandlung von Untergebenen führen zur Strafe nach dem Tod. Wald, Nebel und Vollmond bilden den typischen Schauplatz einer Spuksage. Besonders ungewöhnlich ist die langsame Annäherung an das Schloss: Erst dessen Untergang ermöglicht die Erlösung. Ist dies der Hinweis darauf, dass es die einstige Erbauerin ist, die als verfluchte Gestalt keine Ruhe findet?
Fakt oder FIktion
Wer verbirgt sich hinter der Dame mit dem sonderbaren Namen "Krikedilie": Die Herkunft ist nicht eindeutig geklärt. Historische Quellen nennen keine nachweisbare Gräfin mit exakt diesem Namen. Schreibweisen wie „Krikedilie“ und „Krikedelie“ sprechen für eine lange mündliche Überlieferung, bei der sich Bezeichnungen verändern konnten.
Doch gibt es einen spannenden Architektonischen Zeugen: den sogenannten Krikediliebogen. Das Eingangportal im Innenhof des Hauses zeigt das Erbauerehepaar Konrad von Ketteler und Odilia von Ketteler. In demütiger Geste und in prachtvoller Renaissance-Gewandung rahmen sie das christliche Glaubensbekenntnis. Es ist denkbar, dass es Odelia ist, deren Namen sich zur Krikedilie gewandelt hat.
Der Name ging außerdem auf die Josephs-Kapelle im Roxloh über. Dieser heißt im Volksmund ebenfalls „Krikedilie“. Zwischen der Kapelle und dem Haus Assen soll sich die Nebelgestalt zur Vollmondnacht bewegen.







