Das Wasserfräulein von Ahaus
Die Story
Südöstlich der über 1.000 Jahre alten Schlossstadt Ahaus entspringt die Ahauser Aa. Der Fluss speist nicht nur die Gräfte des Schlosses Ahaus, sondern durchquert auch das gesamte westliche Münsterland und fließt weiter in die Niederlande.
In Ahaus erzählt man sich, dass einst ein Wasserfräulein in der Aa gelebt und für das Glück und den Reichtum der Stadt gesorgt habe. Der Überlieferung zufolge sei eines Tages ein armer Bauer dem Wasserfräulein begegnet. Es habe ihm eine goldene Angelschnur geschenkt, mit der er fortan zahlreiche Fische fangen konnte. Dafür habe er versprechen müssen, jeden zehnten Fisch an Bedürftige weiterzugeben.
Mit wachsendem Wohlstand sei der Bauer jedoch immer gieriger geworden und habe sein Versprechen vergessen. Daraufhin sei die goldene Angelschnur eines Tages von der Aa verschluckt worden.
Seitdem, so erzählt man sich, wurde das Wasserfräulein nicht mehr gesichtet und die Ahauser Aa nie mehr so fischreich wie zuvor.
Wassergeister: Hilfe und Gefahr
Wasserfräulein, Nixen und Wasserfrauen gehören zu den verbreiteten Gestalten europäischer Sagen. Meist sind sie an Quellen, Flüsse, Seen oder Brunnen gebunden und können den Menschen sowohl hilfreich als auch gefährlich begegnen. Häufig belohnen sie gutes Verhalten oder bestrafen Gier, Wortbruch und Respektlosigkeit.
Auch die Sage vom Wasserfräulein von Ahaus folgt diesem Muster. Zunächst hilft das Wasserwesen einem armen Bauern und ermöglicht ihm reichen Fischfang. Seine Gabe ist jedoch an eine Bedingung geknüpft: Ein Teil des Fangs soll mit Bedürftigen geteilt werden. Erst als der Bauer dieses Versprechen missachtet, verliert er seinen Wohlstand.
Die Erzählung verbindet damit das Motiv des Wassergeistes mit einer moralischen Botschaft über Maßhalten und Teilen. Gleichzeitig liefert die Sage eine übernatürliche Erklärung dafür, weshalb die Ahauser Aa ihren früheren Fischreichtum verloren habe. Solche Erzählungen werden auch als Erklärungssagen bezeichnet.
Wusstest du eigentlich...
..., dass die Ahauser ihrem Wasserfräulein und weiteren legendären Figuren aus der Ahauser Geschichte einen Brunnen gebaut haben? Wer sich auf die Spuren der Sage rund um das Wasserfräulein von Ahaus begibt, sollte definitiv den Oldenkottplatz in Ahaus besuchen. Der Künstler Bonifatius Stirnberg stellte dort typische Ahauser Figuren als bewegliche Bronzefiguren dar, darunter auch das „Ahauser Wasserfräulein“.







