Die Weiße Dame vom Haus Rhede
Die Story
Im westlichen Münsterland, nahe der niederländischen Grenze, liegt in der gleichnamigen Stadt das historische Haus Rhede. Das von einer Gräfte umgebene Herrenhaus wird auch als Schloss Rhede bezeichnet und geht auf eine mittelalterliche Burganlage zurück.
Auf Haus Rhede soll einst ein junges Edelfräulein gelebt haben, um das zwei Brüder warben. Da sie sich einfach nicht entscheiden konnte, versprach sie, denjenigen zu heiraten, der in der Silvesternacht als Erster die Glocke des Schlossturms läuten würde.
Auf dem Weg zum Turm kam es zum Streit: Ein Bruder tötete den anderen und wurde später selbst zum Tode verurteilt. Das Edelfräulein soll über die Folgen ihres Handelns den Verstand verloren haben und wenig später gestorben sein.
Der Überlieferung zufolge kehrt sie seitdem in der Silvesternacht als Weiße Dame zurück und versucht, die Blutspuren von der Treppe zu entfernen.
Das Motiv der Weißen Dame
Die Weiße Frau gehört zu den bekanntesten Gestalten europäischer Burg- und Schlosssagen. Meist ist sie als Geist an einen Ort oder ein tragisches Ereignis gebunden. Je nach Überlieferung warnt sie vor Unheil, beschützt eine Familie oder erscheint als ruhelose Verstorbene.
In jeder Silvesternacht kehrt die Weiße Dame von Haus Rhede zurück. Der Sage nach versucht sie, die Blutspuren ihres getöteten Verehrers zu entfernen – eine Aufgabe ohne Ende. Damit zählt sie zu den Wiedergängern. Ihr Erscheinen zum Jahreswechsel ist kein Zufall: Übergangszeiten galten im Volksglauben als Momente, in denen die Grenze zur übernatürlichen Welt durchlässig wurde.
Sagen über Weiße Damen sollten jungen Adelsdamen zudem Gehorsam und züchtiges Verhalten vermitteln. Maßregelung mittels Gespenst!
Wusstest du eigentlich...
…, dass die Sage der Weißen Frau von Haus Rhede verfilmt wurde?
„Die Baronesse“ ist ein fiktionaler Kurzfilm, der an die Sage anknüpft und die misogynen und sexistischen Züge der Legende aufarbeitet. Viele Sagen und Legenden weisen aus heutiger Sicht diskriminierende Elemente auf und gelten gleichzeitig weiterhin als Kulturgut, das fest im kollektiven Gedächtnis verankert ist.
Gesellschaftlicher Wandel führt dabei nicht zwingend zur Tabuisierung solcher Legenden, sondern ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit früheren gesellschaftlichen Missständen und eine Sensibilisierung für Diskriminierung.
Der Kurzfilm – ein Schauermärchen mit schwarzem Humor – macht es sich daher zur Aufgabe, die Sage der Weißen Dame von Haus Rhede feministisch und sozialkritisch neu zu erzählen. Die Dreharbeiten fanden unter anderem an der Burg Bentheim sowie der Burg Vischering statt.








