"Haus Kummerveldt" spielt im Münsterland. Welchen Anteil hat die Region am Erfolg?
Ohne das Münsterland gäbe es die Serie nicht. Die 2019 gedrehten Pilotepisoden wurden komplett von Förderern und Partnern aus der Region finanziert. In der Filmbranche hat damals niemand an das Projekt geglaubt. Allein beim Stichwort Historienfilm – häufig als zu schwierig und zu teuer angesehen – waren wir in Gesprächen schnell wieder draußen. Im Münsterland sagten alle: "Toll, finden wir super!" Für diesen wahnsinnigen Rückhalt sind wir sehr dankbar. Auch an unseren Drehorten im Münsterland wurden wir mit offenen Armen empfangen.
Die Serie spielt an und in Schlössern und Burgen. Worauf kam es bei der Auswahl der Locations an?
Ob ein Ort zum Drehen geeignet ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Auf einer Tour durchs Münsterland haben wir uns damals ein Haus nach dem anderen angeschaut. Manche mussten wir sofort ausschließen, weil nebenan eine Landstraße verläuft – für den Ton zu laut, fürs Bild durch den sichtbaren Verkehr problematisch. In der Burg Vischering in Lüdinghausen konnten wir zum Beispiel nicht innen drehen, weil sich darin ein Museum befindet, mit renovierten und barrierefreien Räumen. Der Hof und die Burg von außen waren jedoch ideal geeignet.
Zum Stammsitz der Familie von Kummerveldt wurde die Wasserburg Haus Welbergen in Ochtrup.
Führungen sind dort zwar möglich, es gibt aber keinen täglichen Museumsbetrieb. Überzeugt hat uns auch, dass es größtenteils noch wie ein Wohnhaus im 19. Jahrhundert eingerichtet ist.
Inwiefern haben die Orte die Geschichte beeinflusst?
Die Suche nach Locations und die Entstehung des Drehbuchs laufen bei uns parallel. Wir wussten zum Beispiel, wir brauchten ein Schlafzimmer, eine Küche und einen Burghof. Als klar war, welche wir nutzen, wurde das Drehbuch auf die Gegebenheiten vor Ort angepasst. Manchmal entdeckt man auch eine Kulisse, die so stark ist, dass Szenen für sie geschrieben werden müssen, wie beispielsweise die Szenen im Garten von Haus Welbergen, wie die Kuchenschlacht oder das Boule-Spiel.
Luises Vorbild ist eine der berühmtesten Persönlichkeiten des Münsterlandes. Welche Rolle spielt Annette von Droste-Hülshoff in "Haus Kummerveldt"?
Wir verfilmen nicht ihre Geschichte, aber "Haus Kummerveldt" ist inspiriert von ihrem Leben und denen einiger weiterer Autorinnen. Annette von Droste-Hülshoff hatte das Glück, unter ihrem Namen veröffentlichen zu dürfen – im Gegensatz zu den meisten schreibenden Frauen in dieser Zeit. Bei manchen ist erst gegen Ende ihres Lebens oder posthum herausgekommen, dass sie hinter ihrem männlichen Pseudonym steckten. Von anderen wissen wir vermutlich bis heute nichts.
Was interessiert Sie an diesen Umständen?
Sehr viele Autorinnen von damals sind im Schulunterricht heute gang und gäbe. Dabei gerät häufig in Vergessenheit, wie sehr sie darum kämpfen mussten, ihre Texte überhaupt veröffentlichen zu können. Für das Leben von Luise von Kummerveldt haben wir uns aus mehreren Biografien bedient. Und wir konnten in der Bibliothek auf Burg Hülshoff drehen.
Es ist die originale Bibliothek der Dichterin.
Diesen Ort für "Haus Kummerveldt" nutzen zu dürfen, war etwas ganz Besonderes. Mark Lorei meinte einmal augenzwinkernd, Annettes Geist zu spüren.