Die Firma Hengst SE in Münster hat während der Corona-Pandemie zahlreiche Atemmasken produziert.
© Hengst SE
Im Einsatz gegen Corona

Münsterländer Unternehmen im Einsatz gegen Corona

Luftfilter im Kampf gegen die Viren, Atemmasken für den besseren Schutz im Alltag, wichtige Forschung zum Medikamenteneinsatz: Viele Münsterländer Unternehmen haben während der Corona-Pandemie Tatkraft und Innovationsgeist bewiesen und damit die Region auf verschiedenste Weise bei der Bewältigung der Krise unterstützt.

Erfahre auf dieser Seite mehr über Innovationen aus dem Münsterland.

Herausforderung: Ausbruch der Corona-Pandemie 2020

Die Corona-Pandemie stellt Gesellschaften und Gesundheitssysteme seit dem Ausbruch Anfang 2020 vor massive neue Herausforderungen. Auch Unternehmen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Münsterland leisten ihren Beitrag im Kampf gegen die globale Pandemie. Dank neuer Produkte, innovativer Dienstleistungen oder bemerkenswerter Forschung. Eine Auswahl.

Luftreiniger im Kampf gegen die Viren

  • Hengst SE aus Münster entwickelte in wenigen Wochen den mobilen Blue.care+ Luftreiniger gegen Corona. Schon nach zehn Minuten gelingt es dem Luftreiniger, die Virenlast der Raumluft zu senken, nach nur 30 Minuten sogar um 90 Prozent bei einer Raumgröße von 80 Quadratmetern. In Hunderten Schulen, Kitas, Praxen, Büros und Restaurants im Münsterland und darüber hinaus ist der Luftreiniger bereits im Einsatz.
  • Die Franz Ziel GmbH aus Billerbeck verfügt über rund 40 Jahre Erfahrung als weltweit führender Anbieter für pharmazeutische Anlagen und Prozesslösungen. Das Unternehmen hat den flexiblen und mobilen Air Infect Protect Luftreiniger entwickelt, der Covid-19 und andere Viren effektiv auf ein Minimum reduziert.
  • Die Airbion GmbH produziert ihren Luftreiniger in Gronau. Der Luftreiniger Airbion basiert auf der von Prof. Dr. Gregor Luthe entwickelten und patentierten VAPUR-Technologie: Sie filtert Viren, ultrafeine Partikel, Schadstoffe und Bakterien nicht heraus, sondern eliminiert sie vollständig. Der Airbion One kommt damit ohne Filter aus und ist deshalb für den Einsatz zuhause geeignet.
  • Die Kemper GmbH aus Vreden hat den AirCO2NTROL Luftreiniger entwickelt, dessen HEPA-Filter die Abscheidung von Aerosolen, Partikeln, Viren und Bakterien aus der Luft ermöglicht. Die Geräte reinigen beispielsweise die Luft in allen Klassenräumen in Stadtlohn.
  • Die neue VIROLINE Serie der TEKA Absaug- und Entsorgungstechnologie GmbH in Coesfeld reinigt die Luft mit Hilfe von UV-C-Licht und Filtern – sie entkeimt und filtert also gleichzeitig.
  • Auch die beiden in Isselburg beheimateten Unternehmen VKF Renzel GmbH und deconta GmbH produzieren Luftreiniger für ein sicheres Raumklima.
  • Die INOTEC Lüftungs- und Systemtechnik GmbH in Heek bietet ein Lüftungskonzept für Schulen an, das einen effektiven Luftaustausch ermöglicht.
  • Die technotrans SE aus Sassenberg bietet mit ihrem Raumlüfter tt.air ein energieeffizientes Gerät mit HEPA-Filter an, das wirksam Viren, Bakterien, Pollen und Schimmel abscheidet.

Medizinische Masken

  • Das Familienunternehmen Hengst SE aus Münster ist ein Spezialist für technologisch führende Filtrationslösungen. Im April 2020 rüstete Hengst die Produktion um und hat seitdem weltweit eine große Anzahl an Atemmasken produziert.
  • Auch der Automobilzulieferer OKE Group GmbH aus Hörstel stellte im April 2020 seine Produktion um und produzierte eine Million Mund-Nasen-Masken pro Tag.
  • Die Mondi Gronau GmbH aus Gronau produziert seit Mitte 2020 OP-Masken. Das Unternehmen stellte zwischenzeitlich bis zu eine Million Masken pro Tag her.
  • Die zur Shield Gruppe gehörende Medical Shield GmbH & Co. KG in Ahaus wurde im April 2020 gegründet. Das Unternehmen bietet hochwertige FFP2-Masken und Schutzausrüstung an.
  • Als im Frühjahr 2020 ein Mangel an FFP2- und FFP3-Masken herrschte, entwickelte die Franz Ziel GmbH aus Billerbeck ein Verfahren, mit dem sich gebrauchte Masken wieder sterilisieren lassen. Dadurch konnten Ärzte, Pflegekräfte und Rettungskräfte ihre Masken keimfrei wiederverwenden.
  • An der FH Münster erforschte eine interdisziplinäre Gruppe aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Auftrag des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, wie sich FFP2-Masken im Privatgebrauch sicher wiederverwenden lassen. Herausgekommen ist eine Broschüre, die Verbraucherinnen und Verbrauchern zeigt, wie und mit welchen Methoden sie ihre FFP2-Maske desinfizieren können.

Corona-Tests für mehr Sicherheit

  • Carpegen ist ein Life Science-Unternehmen aus Münster und spezialisiert auf die Entwicklung molekularbiologischer Testsysteme, unter anderem für die Infektions- und Dentaldiagnostik. Kurz nach Beginn der Corona-Krise etablierte das Unternehmen die Coronavirus-PCR-Diagnostik im eigenen Labor und bietet die PCR-Tests in Kooperation mit Laborarztpraxen und Kliniklabors an.
  • Die Biocheck GmbH aus Münster bietet unter ihrer Marke Polycheck einen Covid-19-Antikörpertest an, den das Unternehmen im Sommer 2020 entwickelt hat. Bisher hatte sich das Unternehmen auf die Herstellung von Test-Kits für Autoimmunerkrankungen und Allergien für humanmedizinische Diagnostik und im Veterinär-Bereich spezialisiert.

Bessere Hygiene

  • Um bei Veranstaltungen oder in Bürogebäuden die Sicherheit aller Gäste zu gewährleisten, hat die Elanko Medien- und Sicherheitstechnik GmbH aus Heek ein berührungsloses Fieberdisplay entwickelt, das die Zugangskontrolle mit einem Temperaturüberwachungsterminal ermöglicht. Dank eines Speichers für Gesichtsbilder und Temperaturinformationen lassen sich die Daten zudem leichter rückverfolgen.
  • Das SafetyGate der Firma Taalex Systemtechnik GmbH aus Stadtlohn kombiniert die Funktionen Handdesinfektion und berührungsloses Fiebermessen. Die Elektronik ist dabei IoT-fähig und flexibel an Kundenwünsche anpassbar.
  • Mit Hilfe der GoVivet-Kundenampel der Firma PAN direct GmbH & Co. KG aus Warendorf können Veranstalter effektive Zugangskontrollen durchführen.

Unterstützung bei der Impfstoff-Herstellung

Für die globale Impfkampagne ist es unerlässlich, neue Produktionskapazitäten für die Impfstoffherstellung aufzubauen. Hier hat die Franz Ziel GmbH aus Billerbeck einen wichtigen Beitrag geleistet: Sie hat Isolatorlinien zur Abfüllung von Impfstoffen an namhafte Pharmazeuten in Europa und weltweit geliefert. Die Abfüllmaschine und der dazugehörige Isolator für die sterile Abfüllumgebung sind immer kundenspezifische Sonderanlagen und wurden von der Franz Ziel GmbH in Rekordzeit entwickelt und geliefert.

Forschung zu Medikamenten gegen Corona

An der WWU Münster forscht Prof. Dr. Stephan Ludwig im Institut für Virologie Münster (IVM) an einem Medikament gegen das Coronavirus. Ursprünglich hatte Stephan Ludwig das Medikament gegen die Grippe entwickelt. In klinischen Tests wird gerade geprüft, wie wirksam es gegen das Coronavirus ist. Seit kurzem wird das Medikament einer größeren Gruppe von Patienten mit schweren Corona-Infektionen in verschiedenen Kliniken in Deutschland, aber auch in Südafrika und Indien verabreicht. Das Medikament hemmt die Vermehrung der Viren und soll vermeiden, dass Patienten auf Intensivstationen in sehr schwere Verläufe abrutschen.

Auch die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ursula Rescher vom Zentrum für Molekularbiologie der Entzündung (ZMBE) der Medizinischen Fakultät der WWU Münster forscht an einem Gegenmittel für COVID-19. Ursula Rescher untersucht, ob der bereits zugelassene Wirkstoff Fluoxetin als Medikament gegen COVID-19 einsetzbar ist. Seit 1988 ist der Arzneistoff Fluoxetin, besser bekannt unter dem Produktnamen „Prozac“, als Antidepressivum erhältlich. Das Team fand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie unter der Leitung von Prof. Stephan Ludwig am ZMBE heraus, dass Fluoxetin im Zellkulturmodell sowohl die Aufnahme von SARS-CoV-2 Viren als auch ihre Weiterverbreitung hemmt, ohne dabei Zellen zu beschädigen. Der Wirkstoff könnte damit möglicherweise zur antiviralen Therapie einsetzbar sein.

Gemeinsam mehr schaffen: Netzwerkarbeit in der Corona-Krise

Wie wichtig die Zusammenarbeit in Netzwerken ist, wurde während der Corona-Pandemie deutlich.
© Pixabay

Die Zusammenarbeit von Unternehmen mit regionalen Netzwerken wie Gesellschaft für Bioanalytik Münster e.V., Netzwerk Gesundheitswirtschaft Münsterland e.V., Netzwerk Oberfläche NRW, CenTech GmbH und weiteren Partnern wie der Technologieförderung Münster hat dazu beigetragen, Hürden und Herausforderungen während der Corona-Pandemie aus dem Weg zu räumen – zum Beispiel im Bereich Zulassung, Bezahlung und Förderung von Entwicklungsaktivitäten für Antigen‑, PCR- und Antikörpertests oder bei der Vermittlung von Kontakten zu den betreffenden Ministerien. Dadurch konnten neue Test dem Markt schneller bereitgestellt und Corona-Infizierte frühzeitiger identifiziert werden.

Darüber hinaus haben die Netzwerke direkt zu Beginn der Pandemie eine „Corona-Task-Force“ gebildet und über die Online-Plattform „GeWi vs. Corona“ vom Netzwerk Gesundheitswirtschaft Münsterland hilfesuchende und hilfebietende Unternehmen aus der Gesundheitswirtschaft zusammengebracht. Bereits wenige Wochen nach der Live-Schaltung im April 2020 umfasste die Plattform mehr als 35 Lösungsangebote zur Bekämpfung der Pandemie von Unternehmen der Gesundheitswirtschaft aus dem Münsterland.

Angeboten wurden zum Beispiel schnell aufbaubare Raumlösungen, Schutzausrüstung in Form von Masken, spezieller Kleidung und Desinfektionsmittel oder auch technische und digitale Lösungen wie Hochleistungsproduktionsmaschinen für Atemschutzmasken oder Ortungs- und Visualisierungslösungen zur Einrichtung von Quarantänestationen. Auch suchende Unternehmen aus der Region haben die Plattform genutzt, um etwa kurzfristig medizinisches Personal oder freiwillige Helferinnen und Helfer für die Impfzentren zu akquirieren.

Enabling Networks Innovation Stories

Als regionale Verbundinitiative unterstützt Enabling Networks Münsterland Unternehmen und Hochschulen im Münsterland dabei, Innovationen zu entwickeln, sie umzusetzen und die richtigen Partner für das Vorhaben zu finden. Um zu zeigen, wie innovativ und gleichzeitig kooperativ das Münsterland auch jetzt schon ist, ist das Projekt zudem auf die Suche nach innovativen Kooperationsprojekten aus der Region gegangen. Die Ergebnisse sind auf dieser Seite dargestellt. Das Projekt Enabling Networks Münsterland wird im Rahmen des EFRE-Aufrufs „Regio.NRW“ von der Europäischen Union und dem Wirtschaftsministerium NRW gefördert.

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