Zu Haus Loburg gehört die Land- und Forstwirtschaft. Wie hat sie sich im Laufe der Zeit entwickelt?
Loburg war lange ein eigenständiger Betrieb, auch mit Kühen und Schweinen. Später wurden die meisten Grundstücke verpachtet. Vor zehn Jahren änderten sich die Bedingungen – also bewirtschafteten wir die Flächen wieder selbst, diesmal biologisch. Mit der Forstwirtschaft sind wir nach Sachsen-Anhalt expandiert. Der Betrieb dort ist unser zweites Standbein und finanziert den Erhalt des Hauses mit. Wer auf Loburg lebt, muss immer etwas alternativ denken und handeln.
Im Herbst 2022 eröffneten Sie unweit des Hauses einen Hofladen. Wie ist die Idee entstanden?
Als wir den Anbau auf biologisches Gemüse umstellten, sagte ich: Wenn der Betrieb eines Tages läuft, ist der nächste Schritt der Hofladen. Dieses Gebäude war früher ein Stall, über uns lag das Heu. Wir hatten es zunächst zur Waschkaue umgebaut. Hier landeten die Produkte von unseren Feldern in der Gemüsewaschmaschine, dort drüben war ein kleines Büro eingerichtet. Während der Corona-Pandemie wurden die Pläne zum Hofladen endlich konkreter.
Sie verkaufen die unterschiedlichsten Produkte. Worauf achten Sie bei der Auswahl?
Ein Produkt muss qualitativ gut sein – ob es sich nun um eine Tomate oder ein Holzobjekt handelt. Unsere Devise ist: Man gibt das Geld nur einmal aus. Ich kenne die Produzenten und kann meinen Kundinnen und Kunden zu jedem Produkt etwas über die Herkunft erzählen. Die Basis bilden das hier rundum wachsende Gemüse, unser Wild aus Sachsen-Anhalt und der Wein aus dem Gut unseres Neffen an der Nahe in Rheinland-Pfalz.
Was interessiert die Menschen an dem, was sie kaufen?
Ich weiß, dass einige denken: Ökologische Landwirtschaft ist gut, konventionelle schlecht. Das lässt sich so pauschal allerdings nicht sagen. Tatsächlich handelt es sich um verschiedene Arten, und wir schauen bei der Zusammenstellung unseres Sortiments genau hin. Warum sollte ich eine Bio-Möhre aus Baden-Württemberg einkaufen, wenn sie hier vor meiner Nase auf dem Feld wächst? Ein anderes Beispiel ist Knoblauch, der zwei Kilometer von hier entfernt konventionell angebaut wird. Anfangs kamen Leute in den Laden und fragten: „Alles Bio?“ Nein, sagte ich, und erläuterte die regionalen Bezüge. Sie merkten, dass ich mit jedem Produkt etwas verbinde und es dafür kein Zertifikat braucht. Es geht mir auch um die Wertschöpfung von Produkten: Was kommt auf den Tisch, wie esse und wie genieße ich?
Sind Sie zufrieden mit der Resonanz auf Ihren Hofladen?
Der Laden ist zum Treffpunkt geworden, viele aus der Umgebung kaufen bei uns ein. Darüber freue ich mich sehr. In der Nachbarschaft heißt es: „Jetzt kaufen wir die Äpfel natürlich hier, bei Sophia.“
Mit dem Hofladen haben Sie den Traditionen rund um Haus Loburg etwas hinzugefügt.
Tradition darf nicht bedeuten, Stillstand zu verwalten. Sie muss weiterentwickelt werden. Nur mit dieser Einstellung kann ein Hof langfristig überleben. In Loburg passiert immer etwas – ob nun ein Baum umfällt, die Schafe ausbrechen oder das Huhn die Eier woanders legt. Seit der Eröffnung halte ich Interessierte auf Instagram darüber auf dem Laufenden, was im Laden und auf dem Hof los ist. Wenn ich morgens die Augen öffne, gibt es bei uns sicher irgendeine Neuigkeit. Das ist ganz normal, vor allem aber sehr schön.
Das Interview führte Christoph Schwartländer.