Frau von Diepenbroick-Grüter, Sie wuchsen in Dortmund auf und kannten Haus Marck als das Elternhaus Ihres Vaters. Wie kam es dazu, dass Sie selbst hier einzogen?
Als ich 17 war, fragte mich mein Patenonkel: „Kannst du dir vorstellen, das Haus zu übernehmen?“ Er hatte keine Kinder und überlegte sich, wem von seinen Neffen und Nichten er die Aufgabe zutraut und wer Spaß am Schloss haben könnte. In meinem jugendlichen Leichtsinn sagte ich zu, hatte aber keine Ahnung, was auf mich zukommen würde. Ein paar Jahre später lud er mich ein, den Alltag im Schloss kennenzulernen. Meine Großmutter wohnte zu dieser Zeit noch hier, die er mit versorgte. Sie war körperlich eingeschränkt und brauchte entsprechende Unterstützung. Mein Onkel fuhr dann für sechs Wochen nach China, und ich musste Haus Marck irgendwie wuppen. Bis zum Umzug habe ich gezögert.
Was hielt Sie ab?
Es ging auch darum, Freiheiten aufzugeben und einen Partner zu finden, der das Leben auf dem Land mitmacht. Wir sind ja in Städten groß geworden. Mein Mann und ich kommen aus anderen Metiers: Er ist Arzt, ich bin Kulturwissenschaftlerin. Beim Schloss spreche ich gerne von der Lust und der Last. Inzwischen habe ich mich sehr damit identifiziert.
Sie sagen sogar: „Ich bin Haus Marck.“
Ja, es ist zu meinem Lebensinhalt geworden. Dafür habe ich Zeit gebraucht. Es war gewöhnungsbedürftig, das Schloss überhaupt erst zu erwohnen. Wir kamen aus einem normalen Haushalt in Dortmund und hatten nun ein Riesenareal mit fast 100 Hektar zu verwalten. Seit zehn Jahren stehe ich voll und ganz hinter Haus Marck.
Wann wussten Sie, dass dieser Ort ein besonderer ist?
Von Anfang an. Meine Geschwister und ich waren sehr oft im Schloss zu Besuch, durften alle Freunde aus der Schule mitbringen und verbrachten hier die Ferien. Ich erinnere mich, dass ich schon damals die Atmosphäre in den unterschiedlichen Jahreszeiten sehr mochte. Vor allem, wenn wir an Weihnachten singend im mit Geschenken vollbepackten Auto nach Tecklenburg fuhren, tauchten wir langsam in eine andere Welt ein.
Welche Vorzüge stehen für Sie heute an erster Stelle?
Außen hat sich von 1750 an nie etwas Wesentliches am Schloss verändert. Diese Beständigkeit bringt etwas Konservatives und Klassisches mit sich. Zugleich komme ich schnell wieder zu Kräften, nachdem ich viel unterwegs gewesen bin. Haus Marck lässt mich durchatmen: Wenn ich am Kamin sitze oder einmal durch den Wald laufe, breitet sich die Ruhe aus.
Den Balkon des Hauses haben Sie zum Lieblingsplatz erkoren.
Es war auch der Lieblingsplatz meiner Großmutter. Wenn sie dort saß, etwa zur täglichen Kaffeemahlzeit ab 16 Uhr, kam regelmäßig jemand unangemeldet zum Gespräch vorbei: Pächter, die etwas klären wollten oder Freunde, die auf der Durchreise in Tecklenburg vorbeischauten. Open House – das gefiel meiner Großmutter. Vom Balkon aus erkennt man, wie das Wetter kommt und geht, schaut auf das Wasser und den Wald. Bei mir werden dort frühe Kindheitserinnerungen wach: Abends, wenn die Vögel noch einmal zwitscherten, hieß es: „Hör mal, wie sie sich ‚Gute Nacht‘ sagen.“