Der Einsatz von Kunststofffasern ist vielfältig - und am ressourcenschonend, wenn diese Fasern recycelt werden.
© Tailorlux
Innovation Story
Marker für R-PET
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Innovation Story
Marker für R-PET

Wie viel Recycling steckt tatsächlich im T-Shirt?

Das Problem bei recycelten Kunststofffasern: Sie sind im Einkauf nicht nur teurer als neu hergestellte, sondern sie lassen sich chemisch am Ende auch nicht mehr von neuen, ressourcenintensiver hergestellten Fasern unterscheiden. Zwei Münsteraner Unternehmen haben nun eine Methode entwickelt, die den Einsatz recycelter Kunststofffasern genau nachweist. So lässt sich Missbrauch vermeiden.

Erfahre auf dieser Seite mehr über die Innovation aus dem Münsterland.

Tailorlux GmbH, Münster

Tailorlux entwickelt und realisiert für seine Kunden industrielle Markierungslösungen zum Schutz und Nachweis der Integrität von Materialien und Produkten. Die Markierungskonzepte lösen spezifische Anforderungen innerhalb der Produktion, der Distributionskette, der Produktgarantie und des Recyclings.

tapdo technologies GmbH, Münster

tapdo entwickelt mit modernsten Technologien maßgeschneiderte IoT-Lösungen (Internet of Things) und unterstützt Unternehmen dabei, zielgerichtet Daten aus ihren Produkten und Prozessen zu analysieren, um diese transparent und effizient zu machen.

Herausforderung: Recycling-PET unterscheidbar machen

Textilfasern, mit denen Kleidung und Schuhe hergestellt werden, bestehen größtenteils aus Baumwoll- oder Kunstfasern. Doch um diese zu produzieren, wird die Umwelt enorm belastet. Als Ausgangsstoff für Kunstfasern aus Polyester wird meistens Polyethylenterephthalat (PET) verwendet. Dabei gibt es zwei Arten von PET: Das sogenannte "Virgin-PET" besteht aus Erdöl, und damit einem endlichen Rohstoff. Doch es gibt auch Recycling-PET – kurz R-PET –, das aus den Polyesterfasern gebrauchter Textilien hergestellt wird. Beide PET-Arten haben die gleiche Qualität. Das Problem: R-PET ist im Einkauf nicht nur teurer, es unterscheidet sich auch chemisch nicht vom Virgin-PET. Deshalb ist das Missbrauchspotenzial groß: Betrüger können das billigere Virgin-PET einfach als das umweltfreundlichere R-PET kennzeichnen und verkaufen und somit mehr Geld verlangen. Deshalb ist es sowohl im Interesse der Hersteller als auch der Einkäufer nachzuweisen, dass ihre Produkte tatsächlich aus Recyclingmaterial bestehen.

Lösungsansatz: R-PET markieren

100 Prozent recycelt - das soll erkennbar gemacht werden.
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Tailorlux hat einen chemischen, umweltverträglichen Marker entwickelt, der leuchtende Eigenschaften besitzt. Beim Herstellen von R-PET wird der Marker eingebracht und hinterlässt einen optischen Fingerabdruck. Mit einem einfachen Sensor lässt sich dieser auslesen. Wird ein T-Shirt mit diesem markierten R-PET hergestellt, danach recycelt und die Fasern werden für ein neues Produkt verwendet, lässt sich das R-PET noch immer nachweisen. Bei der Entwicklung des Markers testete Tailorlux verschiedene Recyclingmethoden, bei denen der Anteil von Neu- und Recyclingmaterial unterschiedlich hoch war. Der Sensor liest die Variationen aus und füttert damit einen lernenden Algorithmus. Hier kommt die tapdo technologies GmbH ins Spiel: Tapdo konstruierte in enger Abstimmung mit den Tailorlux-Entwicklern den Sensoraufbau und entwickelte diesen Algorithmus.

Erfolg: Sensor kommt bereits zum einsatz

Per Knopfdruck den tatsächlichen Anteil an Recyclingfasern in einem Stoff aus Polyesterfasern feststellen: Genau das macht dieses Verfahren möglich, und das in nur wenigen Sekunden. Außerdem können weitere Informationen ausgelesen werden: Wo wurde der Rohstoff eingekauft, aus welcher Charge stammt er? So können Hersteller wie Käufer wirkliches R-PET erkennen und Betrüger entlarven. Das niederländische Unternehmen The Movement nutzt den Sensor bereits: Dank des Markers sowie Blockchain garantiert es die Herkunft eines recycelten Stoffes. Die Entwicklung wird im Frühjahr 2021 zum ersten Mal auf Messen vorgestellt.

Enabling Networks Innovation Stories

Als regionale Verbundinitiative unterstützt Enabling Networks Münsterland Unternehmen und Hochschulen im Münsterland dabei, Innovationen zu entwickeln, sie umzusetzen und die richtigen Partner für das Vorhaben zu finden. Um zu zeigen, wie innovativ und gleichzeitig kooperativ das Münsterland auch jetzt schon ist, ist das Projekt zudem auf die Suche nach innovativen Kooperationsprojekten aus der Region gegangen. Die Ergebnisse sind auf dieser Seite dargestellt. Das Projekt Enabling Networks Münsterland wird im Rahmen des EFRE-Aufrufs „Regio.NRW“ von der Europäischen Union und dem Wirtschaftsministerium NRW gefördert.

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