Frau Dr. Binder, wissen Sie Ihren aktuellen Kilometerstand?
Der ändert sich jeden Tag: knapp 38.000 Kilometer sind es (Anm. der Redaktion: zum Zeitpunkt des Interviews im Juni 2023). Aber als ich im August 2013 das erste Mal mit meinem Fahrrad für „Radeln für Schulkinder in Afrika“ losgefahren bin, habe ich nicht ahnen können, dass ich zehn Jahre später über 300.000 Euro an Spenden für die Microschools in Ghana gesammelt habe.
Wie sind Sie zur radelnden Kinderärztin und Botschafterin für Schulkinder in Afrika geworden?
Mein Sohn Jan arbeitete für die Stiftung Opportunity International, die engagierte Schulunternehmer in Afrika mit Mikrokrediten für Schulprojekte unterstützen. Ich fragte ihn, ob ich – wenn ich in Rente gehe – mit Radtouren dafür zusätzliche Spenden sammeln könne? Er meinte: ‚Geile Idee, Mutter‘. Im Sommer 2011 reiste mein Sohn mit einer Journalistin nach Ghana, um ihr verschiedene Schul-Projekte zu zeigen und verunglückte tödlich. Ich fühlte mich im Wort bei ihm, blieb mit Opportunity im Kontakt. Und so radelte ich 2013 als Rentnerin los und fuhr verschiedene Banken an, die mir Schecks für das Projekt der Microschools übergaben – im ersten Jahr schaffte ich 954 Kilometer.
Was man wissen muss: Die Microschools sind Privatschulen, aber bewusst für die ärmere Bevölkerung. Die Eltern zahlen so viel, wie es ihnen möglich ist. In Ghana ist Schulpflicht, aber in den öffentlichen Schulen sind in den Klassen teils bis zu 70 Kinder. Die Verhältnisse können wir uns kaum vorstellen: dreckige Klassenräume, ein Ölfass als Küche, weder fließend Wasser noch Toiletten, obwohl es Ganztagesschulen sind. Opportunity kümmert sich um bessere Bedingungen, etwa um Toilettenhäuschen, um Tafel und Kreide und vieles mehr.
Mit den Spenden wird auch der im Gedenken an meinen Sohn verliehene Jan-Binder-Award finanziert. Jedes Jahr wird eine Schule ausgesucht, deren Bedingungen besonders vorbildlich sind: Die etwa Schulgärten haben, in der die Kinder Mülltrennung lernen oder etwas über die Vermarktung von Gemüse aus dem Schulgarten. Ich war selbst einmal in Ghana und würde gerne nochmal wieder hin - wenn die Mangos reif sind …