Herr Pellengahr-Gröblinghoff, was zeichnet den Charme von Haus Geist aus?
Es beginnt auf dem Weg hierher: Eine schmale, geteerte Straße, eigentlich ein einfacher Wirtschaftsweg, führt durch eine Kastanienallee direkt auf die Hofstelle zu. Alles wird ruhiger, natürlicher. Wenn man dann auf den Hof fährt, öffnet sich eine Anlage aus Rasenflächen, Bäumen und Wiesen, auf denen die Pferde laufen. Dazu kommen die Teichanlagen, die sich um den gesamten Hof und das Wohngebäude schlängeln. Und natürlich die alten Gemäuer, die dem Ort seinen Charakter geben und das Gesamtbild erst richtig rund machen. Haus Geist ist ein aktiver Betrieb und nichts Steriles, das nur für Besucher instandgehalten wird. Hier ist echtes Leben – unsere Pferde, unser Hund, zwei Katzen. Es ist unser Arbeits- und Lebensmittelpunkt. Wir bewahren das Vergangene und führen es lebendig weiter, statt es einfach einzulagern oder herzurichten.
Vor mehr als 140 Jahren fing für Ihre Familie auf Haus Geist alles an. Was geht Ihnen angesichts dieser Tradition durch den Kopf?
Es ist etwas Besonderes, dass so viele Generationen hier gewirkt haben. Unsere Familiengeschichte gibt uns auch die Verantwortung mit auf den Weg, den Betrieb fortzuführen.
In Ihrer Kindheit war das Anwesen für Sie ein Abenteuerspielplatz. Welche Erinnerungen verbinden Sie damit?
Zum Beispiel, wie wir einen Staudamm bauten, weil Haus Geist ja von Wasser umgeben ist. Als Kinder waren wir immer in der Natur unterwegs. Neben dem Spielen wuchsen wir damit auf, dass hier tagein, tagaus Arbeit ansteht. Und man kann ja früh lernen, den Besen in die Hand zu nehmen, das Laub zu harken oder den Rasen zu mähen. Es gehört dazu, ich hatte von klein auf Freude daran und habe es nie als Arbeit interpretiert. Zunehmend war ich dann im Betrieb mit dabei.
Wann stand für Sie fest, den Betrieb zu übernehmen?
Etwas in der Landwirtschaft sollte es beruflich sein, aber ich konnte mir auch anderes als die klassische Variante auf Haus Geist vorstellen. Nach dem Abi bin ich in die landwirtschaftliche Ausbildung gegangen und habe danach mein Studium begonnen. Es gibt viele interessante Möglichkeiten, in der Agrarbranche Fuß zu fassen. Irgendwann habe ich erkannt: Das Ganze ist kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Die vergangenen 140 Jahre auf Haus Geist waren ein stetiger Wandel, ständig kamen Betriebszweige hinzu und wurden wieder abgeschafft. Haus Geist bietet viel neben der Landwirtschaft, die meine Leidenschaft ist, aber eben nicht nur. In meinen Augen lässt sich noch einiges entwickeln – diese Mischung ist es, die ich will.
Wie kam es zu dieser Erkenntnis?
Ich habe gemerkt, wie viel Freiheit ich habe, Ideen wirklich umzusetzen. Eine wichtige Erkenntnis kam während eines Praktikums in einem größeren mittelständischen Unternehmen: Dort habe ich erlebt, wie lange es dauern kann, bis Entscheidungen abgesegnet sind. Manche Vorgaben erschienen mir unlogisch, trotzdem musste man sich daran halten. Da wurde mir klar, dass ich zu Hause selbst gestalten kann und zugleich eine große Verantwortung trage. Und zwar ohne Ausreden: Wenn etwas nicht funktioniert, kann ich es nicht auf andere schieben – ich bin verantwortlich. Genau das empfinde ich als Privileg.