Helfende Hand im Hintergrund

Melanie Glanemann aus Freckenhorst im Interview

Melanie Glanemann wohnt in Freckenhorst bei Warendorf und arbeitet als Fitness‑ und Ernährungstrainerin und ist Fastenleiterin. Seit 2016 ist sie bei der RennFietsen Tour mit dabei, zunächst selbst als Teilnehmerin und seit drei Jahren im Organisationsteam. Sie kümmert sich während der Tour im Verpflegungsteam darum, dass den Sportlerinnen und Sportlern nicht die Energie ausgeht und sie noch genügend Kraft für die Route haben.

Begeisterung für die Spendenaktion

Melanie, seit 2016 bist du der RennFietsen Tour dabei. Wie bist du auf die Aktion aufmerksam geworden?

Ich komme eigentlich aus dem Kunstradsport. Mein Mann und ich haben 2015 das erste Mal die Burning Roads, den Radrennmarathon in Ochtrup, mitgemacht, bei dem auch für den roterkeil.net gesammelt wird. Dort wurde von der RennFietsen Tour berichtet, und ich fand den Hintergrund der Spendenaktion sofort fesselnd, weil mit den Spenden Kindern hierzulande geholfen wird. Ein Jahr später waren wir dabei und es war wie ein „Flash“ – die Truppe hat uns so herzlich aufgenommen, es war sofort wie eine Familie. Da war uns klar, wir machen wieder mit.

Was macht die RennFietsen Tour für dich so besonders?

Wir sind im Schnitt 30 bis 40 Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen und Berufsbildern – vom Anwalt bis zum Rentner. Und trotzdem verbindet uns das Fahrradfahren so sehr, dass du mit jedem sofort Anschluss findest. Ich erinnere mich an meine erste Tour durch den Teutoburger Wald. Ich war kurz davor, aufzugeben, weil Berge gar nicht meins sind. Und dann kam von hinten eine helfende Hand. Die gehörte Henri Verkampen, der eine Armprothese trägt. Er schob mich an und sagte: „Einfach runterschalten und weitertreten.“ Das war dieses Flash-Gefühl: Jeder hilft dem anderen, alle verfolgen dasselbe Ziel, und du hast direkt das Gefühl, du gehörst dazu.

Du bist mittlerweile nicht mehr auf dem Rad aktiv, sondern im Organisationsteam.

Ich wurde vor zwei Jahren an der Bandscheibe operiert. Die vier Tage und 600 Kilometer im Sattel der RennFietsen Tour sind seitdem nicht mehr so einfach für mich machbar. Weil ich mich der Gemeinschaft aber so verbunden fühle, habe ich gefragt, ob ich einen anderen Auftrag übernehmen kann. Seitdem bin ich bei der Verpflegung während der vier Tage und Organisation im Vorfeld dabei.

Gänsehaut vor dem Start

Was genau sind deine Aufgaben im Organisationsteam während der Tour?

Im vergangenen Jahr war ich im Verpflegungsfahrzeug unterwegs. Wir müssen immer ein paar Minuten vor dem Team ankommen und bauen die Station auf. Das heißt: Wir kümmern uns um das Frühstück, die Verpflegung während der Tour und das Abendessen. Das meiste ist aber schon im Vorfeld vom Orga-Team um Joachim Wechner super organisiert und delegiert. Grundsätzlich macht mir die Tour immer Spaß. Es ist toll, dass man durch die Tour an Orte kommt, die man sonst gar nicht kennengelernt hätte. Auch wenn ich nicht mehr mitfahre, ist es mir wichtig, dass ich nach wie vor Spenden sammle. Mein Ziel ist es, dass ich in jedem Jahr immer ein bisschen mehr einsammle.

Wenn du auf deine Jahre auf dem Rad zurückblicken: Gibt es für dich richtige Glücks- oder Gänsehautmomente?

Ein absolutes Highlight ist immer der Start am Flughafen Münster/Osnabrück: Wenn die Musikbox aufgestellt und runtergezählt wird, stehen einem die Haare zu Berge. Man spürt richtig, wie die Energie nach außen getragen wird. Und natürlich die Momente, wenn Joachim abends beim Zusammensitzen den Spendenzwischenstand verkündet. Wir freuen uns extrem, dass sie jeden Tag steigen – einfach großartig. Es ist auch ein echtes Glücksgefühl, wenn wir am letzten Tourtag in Münster über das Kopfsteinpflaster des Prinzipalmarktes fahren, im Ziel ankommen und wissen, wofür man sich „gequält“ hat.     

Im vergangenen Jahr gab es erstmals eine Sternfahrt mit gemeinschaftlichem Übernachten. Das ist für dieses Jahr auch geplant. Warum?

Die Entscheidung zur Sternfahrt, also einem festen Übernachtungsort, von dem aus die Tagestouren gefahren werden, war ein großer Pluspunkt. Es ermöglicht jetzt auch Fahrerinnen und Fahrern, die sich die vollen vier Tage und 600 Kilometer körperlich noch nicht zutrauen oder etwa freitags arbeiten müssen, nur tageweise teilzunehmen. Das senkt die Hemmschwelle und bringt neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer in unsere Gemeinschaft, die erstmal vorfühlen können, ob sie sich das zutrauen und die RennFietsen Tour etwas für sie ist.

Kurz gesagt: Was macht für dich die RennFietsen Tour aus?

Für mich macht es aus, dass du dein Hobby mit einem guten Zweck verbinden und dabei die Gemeinschaft pflegen kannst. Dazu gehören natürlich auch der Münsterland e.V. und Westenergie. Ohne sie und das große Organisationsteam um Joachim Wechner wäre das alles gar nicht umsetzbar.

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