Stallgrün: Vom Schweinestall zum Indoor Farming

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© Stallgrün UG

Was passiert, wenn der eigene Familienbetrieb plötzlich keine Perspektive mehr bietet? Für Thorsten war genau diese Frage der Ausgangspunkt einer Reise, die schließlich zur Gründung von Stallgrün führte. Gemeinsam mit seiner Mitgründerin Judith entwickelte er eine Lösung, die leerstehenden Schweineställen neues Leben einhaucht. Im Stall vom Hof Reedläker wachsen heute Kräuter und Gemüse – automatisiert, nachhaltig und regional. Was als persönliche Herausforderung begann, soll nun Landwirten in ganz Deutschland neue Perspektiven eröffnen.

  • Nachhaltige Landwirtschaft
  • 5 Beschäftige
  • Münster
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EINE PERSÖNLICHE HERAUSFORDERUNG WIRD ZUR GESCHÄFTSIDEE

Thorsten kennt die Landwirtschaft von Kindesbeinen an. Er ist auf dem Schweinemastbetrieb seiner Familie in Borken aufgewachsen, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Marketingkaufmann und studierte anschließend Wirtschaftsinformatik in Münster. Während seines Studiums wurde ihm immer deutlicher, dass die Schweinehaltung für viele Betriebe kaum noch eine langfristige Perspektive bietet. „Wir haben auf unserem Betrieb eine gewisse Perspektivlosigkeit gespürt, weil die Schweinehaltung uns keine Zukunftsperspektive mehr geboten hat“, beschreibt Thorsten die Situation.

Auf der Suche nach einer Lösung ging es zunächst gar nicht darum, ein Unternehmen zu gründen. Vielmehr wollte Thorsten seinem Vater ermöglichen, den Hof weiterzuführen. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass dieses Problem längst kein Einzelfall war. Tausende Landwirte stehen vor derselben Herausforderung: Was passiert mit ihren leerstehenden Schweineställen?

Für Thorsten war klar, dass diese Gebäude mehr sein mussten als ungenutzter Raum. Die Idee entstand, ehemalige Schweineställe in ein neues Geschäftsfeld zu verwandeln. Gemeinsam mit Judith entwickelte er daraus schließlich Stallgrün – ein System, das den Anbau von Kräutern und Gemüse in ehemaligen Schweineställen ermöglicht und Landwirten so eine neue wirtschaftliche Perspektive eröffnet.

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MIT DER RICHTIGEN MITGRÜNDERIN ZUR PASSENDEN LÖSUNG

„Ich selbst kann das Wirtschaftliche abbilden, habe aber jemanden mit biologischem Hintergrund gesucht“, erzählt Thorsten. Für die technische und biologische Seite des Projekts machte er sich deshalb gezielt auf die Suche nach einer Mitgründerin. Fündig wurde er an der Universität Münster bei der btS Life Science Studierendeninitiative (btS), wo er Judith kennenlernte.

Judith bringt einen Bachelor und Master in Biowissenschaften mit, spezialisierte sich auf Pflanzenbiologie und Bioinformatik und sammelte bereits Erfahrungen in einem Start-up. Gemeinsam ergänzten sich beide ideal: Thorsten brachte den landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Blick mit, Judith das biologische Know-how.

Gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach einem neuen Geschäftsmodell für die Landwirte. Zehn Monate lang sprachen sie mit Experten, besuchten Messen und analysierten verschiedenste Ansätze. Erst im Laufe dieser Recherche kristallisierte sich Indoor Farming als die Lösung heraus, die sowohl wirtschaftlich als auch praktisch für Landwirte funktioniert.

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VOM SCHWEINESTALL ZUM INDOOR-FARMING-SYSTEM

Zunächst testeten Thorsten und Judith eine bestehende Indoor-Farming-Anlage. Schnell zeigte sich jedoch, dass diese nicht auf die Anforderungen ehemaliger Schweineställe ausgelegt war. Sie ließ sich weder wirtschaftlich betreiben noch praktikabel in den landwirtschaftlichen Alltag integrieren. Deshalb beschlossen die beiden, ein eigenes System zu entwickeln – mit einem klaren Fokus auf Wirtschaftlichkeit und einfacher Handhabung für Landwirte.

Heute können ehemalige Schweineställe mit vergleichsweise geringem Aufwand umgerüstet und weiter genutzt werden.

Stallgrün liefert dabei nicht nur die Technik. Wesentlicher Bestandteil des Konzepts sind digitale Anbauprotokolle, die alle Einstellungen für Belichtung, Bewässerung, Düngung und Klimatisierung in einer App enthalten. Landwirte wählen lediglich aus, welche Kultur sie anbauen möchten – die Steuerung übernimmt den Rest automatisch.

So können unter anderem Kräuter, Salate und verschiedenes Blattgemüse ganzjährig regional produziert werden. Darüber hinaus gibt Stallgrün eigene Erfahrungen aus Vermarktung und Vertrieb an die Landwirte weiter. Denn auf dem elterlichen Hof von Thorsten wird der gesamte Prozess bereits selbst umgesetzt – von der Aussaat bis zur Vermarktung an lokale Supermärkte.

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STARKE UNTERSTÜTZUNG AUS DEM MÜNSTERLAND

Auf ihrem Weg wurden Thorsten und Judith von zahlreichen regionalen Angeboten begleitet. Den Einstieg ermöglichte das Gründerstipendium.NRW. Anschließend unterstützten u. a. das REACH – EUREGIO Start-up Center, die Gründergarage Münster und später das Seedhouse in Osnabrück ihre Entwicklung. Einen entscheidenden Meilenstein stellte außerdem das Programm Green Start-up der Deutschen Bundesstiftung Umwelt dar, das beiden ermöglichte, schon früh in Vollzeit an Stallgrün zu arbeiten. Heute wird das Unternehmen zusätzlich von Investoren begleitet.

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EINE ZUKUNFT FÜR HÖFE - UND FÜR REGIONALE LEBENSMTTEL

Nach der erfolgreichen Umsetzung auf dem elterlichen Betrieb liegt der Fokus nun auf der Skalierung. Stallgrün möchte möglichst vielen Landwirten den Einstieg ins Indoor Farming ermöglichen und leerstehende Stallgebäude wieder sinnvoll nutzen. Gleichzeitig soll die regionale Lebensmittelproduktion gestärkt und die Landwirtschaft unabhängiger von Importen werden.

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DAS WICHTIGSTE LEARNING: GEMEINSAM GRÜNDEN

Rückblickend empfehlen Thorsten und Judith, früh Unterstützungsangebote wie Inkubatoren oder Accelerator-Programme zu nutzen. „Dort bekommt man unzählige Tipps für das, was man vorhat, und vermeidet typische Fehler – etwa etwas zu entwickeln, das am Ende niemand braucht“, sagt Thorsten. Ebenso wichtig sei die Wahl der richtigen Mitgründerinnen und Mitgründer. „Die Herausforderungen und stressigen Zeiten kommen. Wenn man dann auf eine gute Zusammenarbeit zurückgreifen kann, ist das super wertvoll“, ergänzt Judith.

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Fotoshooting bei Urbanhive
© Münsterland e.V. / Philipp Fölting

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