Welche Rolle spielt der Wirtschaftsfaktor Pferd im Münsterland?
Eine große. Die Pferdewirtschaft ist ja an erster Stelle eine Freizeitwirtschaft – auch wenn es natürlich den Sport und den Spitzensport hier gibt. Es gibt einfach so viele Höfe mit Pferden, und sehr unterschiedliche Höfe: Ponyhöfe, Pferdezucht, Dressur- oder Springställe und viele mehr. Wenn wir jetzt hier stehen, kann ich sagen: 500 Meter nach da (deutet aus dem Fenster und zeigt mit dem Finger über Felder und Wiesen) ist ein Pferdehof, 600 Meter nach da, 300 Meter da rüber stehen auch Pferde. Das ist schon ein wirtschaftlicher Faktor. Wir spüren das selber mit unserer Zauberzeug GmbH: Ich hatte genügend Testmöglichkeiten für unseren Stallreinigungs-Roboter Active Cleaner. Der wichtigste Testort war jedoch bei uns auf dem Hof – wo unsere Familie auch wohnt. Das kann ein Test auch mal mit Rückschlägen einhergehen, was völlig in Ordnung und akzeptiert ist. Da kommen meine Eltern ins Spiel, die selber gerne viel ausprobieren und von denen ich das wahrscheinlich geerbt habe.
Erleben Sie das Münsterland als passende Region für Erfindungen von Robotern?
Ein ganz großer Pluspunkt ist Münster als Zentrum des Münsterlandes, mit der ziemlich starken Universität und sehr starken Fachhochschule, gerade für Maschinenbau. Für uns persönlich ein sehr wichtiger Anker, weil wir dort Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rekrutieren. Oft Bachelor- oder Master-Studierende, die wir teilweise auch übernommen haben. Das ist eine Quelle für qualifiziertes Personal, was in der Region verwurzelt ist, bleiben möchte und die Idee mitträgt: Ich lebe im Münsterland und arbeite in einem Robotikunternehmen für die Landwirtschaft. Außerdem sind wir Mitglied im Verein Agrotech Valley Forum e.V. – die engagieren sich für Agrotechnik rund um Osnabrück und ausdrücklich auch im Münsterland, weil hier so viele Landwirtschaftsmaschinen-Hersteller und ähnliche Unternehmen sitzen. Auf deren Gemeinschaftsstand konnten wir uns dieses Jahr auch auf der Agritechnica präsentieren.
Unkraut vergeht nicht – von wegen! Ihr KI-gestützter Roboter Feldfreund rollt mit seinem bodenschonenden Raupenlaufwerk alleine über Äcker und Felder und kann dank seines Innenlebens mit Kamera und Präzisionswerkzeug jäten, Unkraut hacken, säen, inspizieren, analysieren oder ernten. Damit haben Sie den Innovationspreis Handwerk 2023 NRW des Landes Nordrhein-Westfalen gewonnen. Herzlichen Glückwunsch! Was bedeutet dieser Erfolg für Sie?
Das tut unglaublich gut und ist auf so vielen Ebenen schön: Ich selbst bin als Informatiker ins Handwerk reingerutscht, weil wir alles abbilden müssen – wir wollten ja einen Roboter bauen – das geht halt nicht, wenn man nur Software schreibt. Da gehören Handwerk, Metallkonstruktion, Maschinenbau, alles dazu. Deshalb ist das für uns ein Ritterschlag. Wir bauen die Maschinen so, dass sie ihren Zweck erfüllen.