Frau Sohr, Herr Rehers, Wettringen ist Deutschlands fahrradfreundlichste Gemeinde. Was macht denn Wettringen alles richtig?
Markus Rehers: In Wettringen gibt es seit langem ein Radwegenetzplan, der kontinuierlich aktualisiert wird. Die Infrastruktur ist gut: Wir haben im Ortskern sichere und gut ausgeleuchtete Radwege, eine gute Führung der Radwege in die Nachbargemeinden, viele Fuß- und Radwegebrücken, die manche Strecke im Vergleich zur Autostrecke verkürzen. Alle Bushaltestellen in der Gemeinde haben Fahrradstellplätze, am zentralen Busbahnhof sind die überdacht. Ganz neu und seit Mai fertig ist das vom Kreis Steinfurt initiierte sogenannte „Triangel-Projekt“ für Pendler wie für Tourenfahrer: Wettringen und die Orte Ochtrup, Metelen, Steinfurt, Rheine sowie Neuenkirchen sind über 62 Kilometer auf Radwegen miteinander verbunden – teils führt die Strecke auf ehemaligen Bahntrassen. Kürzlich hat der Gemeinderat eine ein Kilometer lange Fahrradstraße beschlossen.
Nena Sohr: Die Auszeichnung zur fahrradfreundlichsten Gemeinde kam ja von den Bürgerinnen und Bürger selbst – die haben ihren Ort über die Online-Befragung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) beim Klimatest 2022 so gut bewertet. Wir wissen nach einer Befragung zum Mobilitätsverhalten in 2022, dass die Wettringer etwa ein Drittel aller Wege mit dem Fahrrad zurücklegen. Für uns ist das ein Ansporn für die Zukunft: Wir denken da als weitere Maßnahme etwa an Mobilstationen, damit das Umsteigen zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln noch einfacher wird.
Sie arbeiten beide im Rathaus – welche Rolle spielt das Fahrrad in Ihrem Beruf?
Nena Sohr: Fahrradfahren trägt zum Klimaschutz bei, ganz klar. Deshalb ist die Rolle des Fahrrads für mich als Klimaschutzmanagerin der Gemeinde bedeutsam. Und Fahrradfahren trägt zur Gesundheit der Radfahrerinnen und Radfahrer bei, gesellschaftlich ein großer Wert. In Wettringen wird deshalb immer fürs Fahrrad mitgedacht – wenn es irgendwo Förderungen gibt, schauen Markus Rehers und ich gemeinsam, was wir Neues machen können.
Markus Rehers: Die Gemeinde verfügt über Diensträder für unterschiedliche Zwecke – für Außentermine, die etwas weiter weg sind, gibt es sogar ein E-Dienstrad. Etwas Besonderes ist unser E-Lastenrad, das für die Leerung der öffentlichen Mülltonnen im Ortskern genutzt wird. Im Rathaus macht dazu jedes Jahr ein Team beim Stadtradeln mit und sammelt Kilometer.