Herr Dieker, warum ist es Ihnen wichtig, Menschen vom Fahrradfahren zu überzeugen?
Weil das Fahrrad das Fortbewegungsmittel der Wahl ist und das gesündeste allemal. Außerdem brauchen wir das Fahrrad für die Verkehrswende. Ich möchte zeigen, dass viele Wege im Alltag auch mit dem Rad möglich sind. Das funktioniert nur, wenn die Leute Spaß am Fahrradfahren haben – sonst steigen sie nicht freiwillig um. Das heißt: Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, Radwege, Fahrradnetz – eine Infrastruktur, die für Autos selbstverständlich ist. Wichtig ist natürlich die Fähigkeit, sicher Rad zu fahren.
Wie kam es zur Idee der Nottulner Fahrradschule?
Der ADFC Münsterland e.V., dem wir als Ortsgruppe zugehörig sind, hatte seit vielen Jahren eine Radfahrschule. So etwas wollten wir für Nottuln auch. Zusammen mit zwei anderen Kollegen aus der Ortsgruppe ließen wir uns zu Radfahrlehrern ausbilden. Hinzu kam eine Kollegin, die bereits seit Jahren in Münster tätig war und nach Nottuln umzog. Schwierig war die Suche nach einem geeigneten Übungsgelände. Nach einem Gespräch mit dem Leiter der Liebfrauenschule ergab sich die Möglichkeit, auf deren Gelände zu üben. Ursprünglich war die Idee, Kurse für geflüchtete Menschen anzubieten, die nie Radfahren lernten. Dann haben sich vor allem Wiedereinsteiger gemeldet, etwa die nach einem Unfall Angst hatten oder die jahrzehntelang nicht mehr Rad gefahren sind. Unsere älteste Schülerin war über 80 Jahre alt und bedankte sich mit den Worten: „Ihr habt mir ein neues Leben geschenkt!“
Wie lernt man bei Ihnen Radfahren?
Nach einem ausführlichen Erstgespräch setzen sich die Schülerinnen und Schüler auf unsere speziellen Schulungsräder – die Pedale können wir abnehmen. Wie auf einem Laufrad gilt es, Gefühl fürs Gleichgewicht zu bekommen und das Bremsen zu üben. Das größte Problem ist, dass Erwachsene zu viel nachdenken. Manche haben Furcht vor schnellerem Fahren – dabei ist das Fahrrad stabiler, je schneller es rollt. Wenn sie sich sicherer fühlen, kommen die Pedalen ran. Anfahren, bremsen, stehenbleiben. Sie üben große Bögen, die immer enger werden bis zum Slalom um die Verkehrshütchen. Auch das langsame Fahren und das einhändige Fahren stehen auf dem Lehrplan, wie auch Verkehrsregeln. Der Grundkurs umfasst zehnmal 90 Minuten. Das Highlight ist für alle der Moment, wenn wir den Pausenhof verlassen. Fast immer ist dann der nächste Gang der zum Fahrradhändler…