Haus Brook im Porträt

Julia und Christoph Deipenbrock
© Cornelia Höchstetter

Ein modernes Pferdeleben im Münsterland

Vom hinteren Paddock tauchen Pferde auf. Im Gänsemarsch schlendern sie zwischen den Raumteilern aus Hecken und Zäunen hindurch. Sie steuern auf die Heuraufe zu, die sich gleich automatisch für die nächste Fresszeit öffnen wird. Auf Haus Brook in Senden leben 35 Stuten und 35 Wallache in jeweils einem Bewegungsstall. Die etwa 7000 Quadratmeter große Lauffläche gliedert sich in Wege, Ruhezonen, Sandbereiche, Futterautomaten, je eine große Liegehalle plus Zugänge zu den Weiden – so müssen sich die Pferde immer wieder in Bewegung setzen.  Das kommt der Natur der Pferde sehr nahe. In Deutschland hat sich diese Haltungsform seit etwa 2001 weiterentwickelt. Damit ein solcher Lebensraum für Pferde auch für Sportpferdereiter interessant ist, sind gute Trainingsbedingungen mit Reithalle und Außenplätzen unabdingbar. Eine solche Kombination, wie sie Julia und Christoph Deipenbrock anbieten, ist für das Münsterland bisher ziemlich einmalig. 

„Das Münsterland ohne Pferde und Reiter wäre unvorstellbar. Ich vergleiche es gern mit der englischen Countryside“

Wann und wie hat heute Ihr Tag auf Haus Brook begonnen, Herr Deipenbrock?
Um fünf Uhr. Mein erster Weg führt immer zu den Pferden, um einmal alle 70 im Blick zu haben. Morgens ist es im Stall sehr still. Viele Tiere liegen und schlafen. Dieser Moment ist so ruhig, dass ich sogar das Gefühl habe, mein Puls würde langsamer schlagen – obwohl vor mir ein durchgetakteter Tag liegt. Ich arbeite mit To-Do-Listen. Auch wenn nach fast zwei Jahren alle Abläufe eingespielt haben, so kommt doch täglich etwas anderes dazu.

Was war die Ausgangs-Idee Ihres Pensionspferdebetriebs?

Meine Eltern führten auf Haus Brook einen klassischen landwirtschaftlichen Betrieb mit Tierhaltung und Ackerbau. Ich habe den Hof übernommen. Ich bin selber Reiter, genau wie meine Frau Julia. Die Idee war, den Hof mit einer modernen Pensionspferdehaltung und einem neuen Konzept zukunftsfähig aufstellen – bewusst anspruchsvoll und qualitativ hochwertig, auch für einen höheren Pensionspreis als in der Umgebung üblich. Dafür haben wir uns in ganz Deutschland umgesehen und ähnliche Anlagen besucht. Es gab bei uns schon immer Pferde auf dem Hof. Mit dem Bau des Aktivstalls bot sich aber die Chance, vollkommen neu zu beginnen – wie auf einem weißen Blatt Papier. In einem Brainstorming mit Freunden haben wir zusammengetragen, was das Optimum für einen modernen Pensionsbetrieb sein könnte. Eigentlich konnten wir davon alles realisieren – bis auf eine Führanlage. Die brauchen wir nicht. Wir haben uns bewusst für einen sogenannten Bewegungsstall entschieden. Einige Pferde legen hier täglich bis zu zehn Kilometer zurück.

Wer hat die Anlage geplant?

Den Aktivstall für die Pferde hat ein darauf spezialisiertes Unternehmen geplant. Die Reithalle mit den Putzbereichen, Sattelkammern und dem Reiterstübchen mit Sonnenterrasse sowie das Wegesystem habe ich selbst entworfen und anschließend einem Architekten übergeben. Ich bin historisch interessiert und mag die alten Höfe und Münsterländer Wasserschlösser. Gerade die barocken Dreiflügelanlagen von Johann Conrad Schlaun haben mich inspiriert: So steht die Reithalle in der Mitte und links und rechts jeweils ein Gebäude, der Hauptweg ist zugleich die Sichtachse. Wichtig war mir der typisch Münsterländer Materialmix: Backstein, Sandstein und unbehandeltes Holz. Statt Eiche nutzen wir zwar Lärche, die wird mit der Zeit genauso silbergrau. Außerdem haben wir viele Linden gepflanzt, damithier irgendwann  große Alleen stehen. Ganz regional, aber vor allem zeitlos.

Sie wollten ein zukunftsfähiges Projekt aufbauen, das wirtschaftlich trägt. Wie sieht das konkret aus?

Von Anfang an war klar, dass dies ein vollwertiger Wirtschaftszweig sein muss – und einer, der uns erfüllt. Ein Bewegungsstall funktioniert nur, wenn viel mechanisiert ist: Wir entmisten und streuen die Liegebereiche maschinell ein. Unser Einstreusystem häckselt und entstaubt das Stroh. Die Pferde tragen in einer Fußbandage einen Chip und nach der Programmierung geben die Futterautomaten über den Tag verteilt passende Portionen aus. So können wir zu zweit alle 70 Pferde versorgen. Die Erfolgsformel sind allerdings das Management und die Beobachtung der Pferde , und dass wir gerne mit Menschen zu tun haben. Ich sehe mich manchmal als eine Art Herbergsvater – der auch darauf achtet, dass die Regeln eingehalten werden. Sonst funktioniert es nicht.

Sie sind auf Haus Brook aufgewachsen, oder?

Ja, Haus Brook ist seit jeher unser Familiensitz. Meine Familie ist bis in die 1430er-Jahre in Senden nachweisbar. Landwirtschaft war hier immer Thema, Pferde ebenso – früher als Arbeitspferde, später unsere Reitpferde.

Jetzt leiten Sie Ihren Betrieb seit knapp zwei Jahren. Was macht Sie besonders glücklich?

Dass wir eine matschfreie Zone geschaffen haben – sowohl in den Ausläufen als auch auf den Wegen. Und dass wir alles in einem Zug und gründlich entwickelt haben. Vor allem, dass wir in einer Umgebung arbeiten, die wir wirklich so wollten, wo Pferde und Menschen sich wohl fühlen und wo keine Provisorien eingeplant wurden. Ein Münsterländer Besucher sagte einmal trocken: „Das hier ist auch kein Behelf.“ Das war ein schönes Kompliment.

Welche Rolle spielen Pferde heute in unserer Gesellschaft?

Heutzutage gibt es strenggenommen keine Notwendigkeit mehr für Pferde. Aber viele Menschen brauchen den Kontakt zur Natur, und für sie ist das Pferd das entscheidende Bindeglied – für viele sind Pferde wichtig für das persönliche Glück. Und das Münsterland ohne Pferde und Reiter wäre unvorstellbar. Ich vergleiche es gern mit der englischen Countryside, dort gehören Pferde fest dazu. Nicht zufällig trägt das westfälische Wappen ein Pferd. 

GUT ZU WISSEN

Auf der B 235 von Senden Richtung Lüdinghausen sieht man von der Straße die weißen Zäune. Nicht weit weg ist die Stadt Senden mit Schloss Senden. Ganz in der Nähe ist auch das Naturparadies Venner Moor. 

Selbstständige Besichtigungen sind nicht möglich. Pferdebesitzer, die sich für einen Platz im Aktivstall interessieren, können geführte Besichtigungen anfragen.

Haus Brook, Gettrup 3, 48308 Senden, haus-brook.de

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