Schlösser- und Burgen-Wimmelbuch

Illustrator Till Lenecke im Interview
© Münsterland e.V./ Cornelia Höchstetter

Till Lenecke im Interview

Mit dem Ballon landen drei Kinder im Münsterland und lernen die Welt der Schlösser und Burgen kennen: Von dieser Entdeckungsreise handelt ein neues Wimmelbuch, das der Münsterland e.V. gemeinsam mit dem Coppenrath Verlag veröffentlicht hat. Im Gespräch erzählt Illustrator Till Lenecke, wie das Werk entstanden ist.

"Wenn es eine große Idee gibt, kommen die kleinen wie von selbst."



Herr Lenecke, womit begann Ihre Arbeit am Wimmelbuch? 

Auf einer Tour durchs Münsterland habe ich mir eine Woche lang jedes ausgewählte Gebäude angeschaut und mich dabei gefragt, wie ich die Burg oder das Schloss möglichst interessant darstellen kann. Vor Ort gab es zum Glück immer jemanden, der etwas über die heutige Nutzung erzählt und damit Ideen geliefert hat. Abends habe ich meine Eindrücke aufgezeichnet. Es waren zwar sehr unordentliche Skizzen, aber das Wichtigste war vorm Schlafengehen aufs Papier gebracht.

Mit Ihren Wimmelbildern zeigen Sie vor allem, was sich innerhalb der Schlösser und Burgen abspielt.

Dafür war eine neue Perspektive nötig, denn in Wahrheit sehen die Häuser nicht eins zu eins so aus. Bei der Burg Hülshoff haben wir die bekannteste Ansicht gewählt und das Gebäude fürs Wimmelbuch aufgeschnitten. So wandern die Augen des Betrachters durch die einzelnen Räume mit ihren verschiedenen Funktionen. Bei einer realistischen Perspektive hätten wir weit weniger Interieur zeigen können, weil die Zimmer ja teilweise hintereinander liegen. In erster Linie ging es darum, die Burgen und Schlösser abwechslungsreich darzustellen. An jedem Ort ist etwas anderes los.

Was eint die Schlösser und Burgen? 

Heiraten ist überall möglich. Ansonsten sind die Konzepte unterschiedlich. In der Burg Hülshoff zum Beispiel dreht sich vieles um ihre berühmte Bewohnerin Annette von Droste-Hülshoff, es ist ein Museum für einen Menschen. Bei Schloss Nordkirchen, in dem die Finanzhochschule NRW untergebracht ist, haben wir uns entschieden, die imposante Außenansicht darzustellen. Spannend finde ich auch die heutige Nutzung des im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstörten Erbdrostenhofs in Münster. Während die eine Seite mit dem riesigen Saal barock wiederauferstanden ist, hat man im restlichen Teil vergleichsweise langweilige Büroräume eingerichtet. Um an die Historie zu erinnern, haben wir im Wimmelbild ein Modell der Ruine untergebracht. 

Alte Gebäude faszinieren Sie. Worin liegt der Reiz, diese zu zeichnen? 

Mich faszinieren Architektur, Stadtplanung und alles, was mit Urbanität zu tun hat. Ich bin ein großer Freund des Urban Sketchings – das bedeutet, die Orte zu zeichnen, in denen ich lebe oder gerade unterwegs bin. Es ist eine Art des visuellen Journalismus. Wobei ich beim Urban Sketching gerne ohne Vorzeichnung in mein Skizzenbuch arbeite. Dabei habe ich eine Schwäche für die verwahrlosten Ecken der Stadt mit ihren ganzen Bausünden. Die sehen in echt sehr abweisend aus, als Zeichnungen sind sie aber wunderschön.

Wie entwickeln Sie die Ideen für ein Wimmelbild? 

Wenn es eine große Idee gibt, kommen die kleinen wie von selbst. Zum Beispiel gucke ich mir die alte Ritterburg Bentheim an, auf der noch das barbarische Mittelalter mit Kerker, Verlies und Folterkammer präsent ist. Heute findet dort ein Mittelaltermarkt statt – mit Turnieren und einem Rummelplatz. Automatisch ergeben sich daraus unzählige Details.  

Wie gelingt es Ihnen, ohne Text eine Geschichte zu erzählen? 

Illustration ist Kommunikationsdesign, das Design kommuniziert also. Ein bekanntes Schloss wie Nordkirchen muss auf den ersten Blick erkennbar sein. Und auch jede Figur muss kommunizieren. Im Schloss Raesfeld, wo die Akademie des Handwerks ansässig ist, sitzt ein Mann vor einem Zeichentisch und hält ein Buch namens „Bauhaus“ in den Händen. Schon ist klar, dass es sich um einen Architekten handelt. Im Eingang wiederum habe ich den Mitarbeiter gezeichnet, der mich tatsächlich durch das Haus geführt hat. Wie im wahren Leben trägt er ein Holzfällerhemd und hat einen großen Schlüsselbund bei sich. Da denkt jeder sofort: Das muss der Hausmeister sein!

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Das Schlösser- & Burgen-Wimmelbuch
© Münsterland e.V./Philipp Fölting
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Das Schlösser- & Burgen-Wimmelbuch ist Teil der Münsterland-Kollektion, welche neben dem Buch auch noch andere tolle Produkte aus der Region beinhaltet. Auf der folgenden Seite erfährst du, wo du das Wimmelbuch und weitere Münsterland-Artikel bestellen kannst.

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Bevor Sie Zeichner und Illustrator wurden, haben Sie unterschiedliche Berufe ausgeübt: Drucker, Seemann und Erzieher. Spielen Erfahrungen von damals eine Rolle bei Ihrer heutigen Arbeit?

Nebenbei habe ich immer gezeichnet. In meinen Skizzenbüchern von damals finden sich also nicht nur Motive von Reisen, sondern auch Bilder, die ich während oder knapp nach meiner Arbeitszeit gemacht habe. Besonderes habe ich mit dem Stift festgehalten, ebenso wie wichtige Dinge, die ich mir merken musste. Zeichnen wurde für mich so alltäglich wie schreiben. Dadurch wurde ich geübter und routinierter. Und ich tat etwas gegen die Angst, beim Zeichnen Fehler zu machen.

Ausgelöst hat Ihre Motivation zum Zeichnen Mitte der 1980er Jahre die Begegnung mit einem Künstler in Hamburg...

In der Stadt sah ich zufällig einen Mann, der auf seiner Staffelei an einer Ein-Punkt-Perspektive der Peterstraße, einer etwas zu Tode restaurierten Fachwerkstraße, arbeitete. Ich dachte: Das will ich auch machen! Unter meinen Händen sollte etwas Schönes entstehen. Streng genommen war ich bereits Zeichner, denn ich zeichnete freiwillig und regelmäßig. In meiner Freizeit benutzte ich Filzstifte und Papier, malte Schiffe und Städte und entwickelte fortlaufende Handlungen mit wiederkehrenden Personen. Alles natürlich amateurhaft und ohne jeden Anspruch. Durch den Zeichner in der Peterstraße erkannte ich, was möglich war. Seitdem wollte ich alles anders machen: Ich wollte besser werden! 

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