Alte Gebäude faszinieren Sie. Worin liegt der Reiz, diese zu zeichnen?
Mich faszinieren Architektur, Stadtplanung und alles, was mit Urbanität zu tun hat. Ich bin ein großer Freund des Urban Sketchings – das bedeutet, die Orte zu zeichnen, in denen ich lebe oder gerade unterwegs bin. Es ist eine Art des visuellen Journalismus. Wobei ich beim Urban Sketching gerne ohne Vorzeichnung in mein Skizzenbuch arbeite. Dabei habe ich eine Schwäche für die verwahrlosten Ecken der Stadt mit ihren ganzen Bausünden. Die sehen in echt sehr abweisend aus, als Zeichnungen sind sie aber wunderschön.
Wie entwickeln Sie die Ideen für ein Wimmelbild?
Wenn es eine große Idee gibt, kommen die kleinen wie von selbst. Zum Beispiel gucke ich mir die alte Ritterburg Bentheim an, auf der noch das barbarische Mittelalter mit Kerker, Verlies und Folterkammer präsent ist. Heute findet dort ein Mittelaltermarkt statt – mit Turnieren und einem Rummelplatz. Automatisch ergeben sich daraus unzählige Details.
Wie gelingt es Ihnen, ohne Text eine Geschichte zu erzählen?
Illustration ist Kommunikationsdesign, das Design kommuniziert also. Ein bekanntes Schloss wie Nordkirchen muss auf den ersten Blick erkennbar sein. Und auch jede Figur muss kommunizieren. Im Schloss Raesfeld, wo die Akademie des Handwerks ansässig ist, sitzt ein Mann vor einem Zeichentisch und hält ein Buch namens „Bauhaus“ in den Händen. Schon ist klar, dass es sich um einen Architekten handelt. Im Eingang wiederum habe ich den Mitarbeiter gezeichnet, der mich tatsächlich durch das Haus geführt hat. Wie im wahren Leben trägt er ein Holzfällerhemd und hat einen großen Schlüsselbund bei sich. Da denkt jeder sofort: Das muss der Hausmeister sein!